XV. Jh


Die Quellen für das XV. Jh.:

Frankreich, durch Kriege und Bürgerkriege erschöpft, büsst seine Vormachtstellung in Europa zugunsten von Burgund ein. Dessen Herzöge haben durch Heirat und Diplomatie ihren Machtbereich erheblich erweitert. Der burgundische Hof beginnt Mode und Etikette stilbildend zu dominieren, gestützt auf die reichen Städte der Oberen und vor allem der Niederen Lande. Wobei die Führungsrolle des Hofes gegenüber dem aufstrebenden Bürgertum unbestritten ist. Prunkvolle Ausstattung und durch lange Schulung erreichte Eleganz in der Tragweise der Gewänder verleihen der burg. Mode eine Exklusivität, die man an anderen Fürstenhöfen so kaum findet.1 Im Reich wird der neue burgundische Stil im Westen schneller aufgenommen als im Osten, allerdings ohne die burg. Pracht zu erreichen. Die südöstl. Reichsgebiete haben noch Jahrzehnte unter den Folgen der Hussitenkriege zu leiden. Es dominieren hier in der ersten Hälfte des Jhs. ältere böhmisch-deutsche Stilrichtungen und im Süden Dtlds traditionell, auch die italienische Mode, die selbst nur partiell burgundische Formen übernimmt.

Ausgelöst durch die neuen Formen der Volksfrömmigkeit der devotio moderna, der unmittelbaren Erfahrbarkeit Christi, setzt sich seit den 1430er Jahren in der Malerei mit der neuen Ölfarben-Technik die ars nova, aus den burgund. Niederen Landen kommend durch (Meister von Flemalle, H. und J. van Eyk, u.a.).2 Sie verblüfft mit perspektivisch getreuer und plastischer Realitätsnähe. Landschaft, Sachkultur und Interieurs werden detailliert erfasst. Über das Rheinland (Zentrum Köln) verbreitet sich der Stil in weite Teile des Reichsgebiets.

An den Szenen aus der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus, Maria oder der Heiligen, die vornehmlich dargestellt werden, glaubt man vielfach die burgundisch höfische Prachtentfaltung dieser Zeit abzulesen. Auftraggeber ist nicht selten ein frommer Stifter, der manchmal als profanes Element, mglw. mit seine Familie, andächtig knieend, im Bild auftaucht.3 Heilige werden mit ihren Attributen, je nach sozialem Stand zu ihren Lebzeiten dargestellt.4 Auch hier vermutet die Forschung, daß ihre Ausstattung mit teuren Accessoires und kostbaren Stoffen, die teilweise plastisch aufmodelliert werden, den hohen Adel widerspiegeln kann.5 Dessen Prunksucht wäre erklärbar als eine Antwort auf den anwachsenden Wohlstand des Bürgertums, dem mit Kleiderordnungen bereits seit geraumer Weile ein Normenzwang auferlegt wird. Es geht um die äusseren Formen des Machterhalts.

Auch aus den Geburts-, Passions- und Kreuzigungszenen sind prunkvolle Requisiten nicht wegzudenken. Neben zeitgenössischen Details muten viele aber geradezu fantastisch an, zeigen eine unzeitgemäße oder ortsferne Überhöhung mit Dingen, die man nicht unbedingt dem westeuropäischen Alltag zurechnen würde.6

Erfreulicherweise geraten mit den Schergen als Peiniger oder Würfler nun auch untere soziale Schichten ins Blickfeld der künstlerischen Darstellung. Doch in welcher Form? Die Kleidung scheint bei jenen wohl zeitgemäß, aber ihre grienenden, grinsenden Gesichter geben eine gewisse Einfältigkeit wieder, vermitteln zuweilen den Eindruck als wären sie wahnsinnig. Muß man in den Augen dieser Zeit in diesem Geisteszustand gewesen sein es zu wagen den König der Könige zu verspotten und zu schlagen?7

1. Hälfte XV. Jh





[Bild]



Ledergürtel

Kettengürtel (kommen noch)



= SEITE IN BEARBEITUNG =



2. Hälfte XV. Jh siehe unten



Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber


























Neue Quellen erscheinen uns mit Druckverfahren auf das vermehrt in Gebrauch kommende Papier. Das Material bedarf einer grösseren Sorgfalt als Pergament, damit es für die Nachwelt erhalten bleibt, so ist anzunehmen, daß der überwiegende Teil dieser Drucke verloren ist. Erhaltene Holzschnitte stellen inhaltlich eine starke Vereinfachung und Konzentrierung auf das Wesentliche dar, Details, die auf gemalten Abbildungen in Fülle sichtbar sind, werden hier weggelassen. Erst zum Ende des Jahrhunderts erreichen Kupferstiche einen hohen Perfektionsgrad mit grosser Detailfreudigkeit.



Gürtel und Mode in der ersten Hälfte des XV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

Seit dem Ende des XIV. Jh. ist bei Begüterten und Bürgern zu offiziellen Anlässen das lange stoff- und faltenreiche Gewand mit sehr weiten Formen beliebt, wie die Houppelande, beim Adel oft mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, und wird seit den 30er Jahren des XV. Jhs. allmählich durch die Robe, mit engeren Ärmeln, abgelöst.8 Der Gürtel ist hier unentbehrliches Requisit. Auch die stilbildende burgundische Mode folgt einem vielfältigen Formenwandel. Die pompös-üppigen Gewänder nehmen in der 1420ern eher bürgerlich-sachliche Formen an, begründet durch in der neuen Malerei, in der das Bürgertum in den finanzstarken Niederen Landen mit zunehmenden Einfluß stärker hervortritt. Die Brüder van Eyck sind nicht nur die bevorzugten Hofmaler der burg. Fürsten, sondern auch die Begründer der bürgerlichen Malerei. Im Reich wird dem Bürger Länge, Stoff, Zuschnitt, Anzahl der Falten, Schmuck und Accessoires der Kleidung durch Kleiderordnungen mit regionalen Unterschieden fest vorgegeben. Insgesamt haben wir aber eine deutliche Abgrenzung zur körperlich arbeitenden Bevölkerung.

Der bürgerliche Mann9 trägt zur Houppelande/Robe einen kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel oft mit schlichter runder oder eckiger Schnalle, die Zeit des langen Gürtels ist endgültig vorbei (siehe letzte Beispiele um 1400 auf der XIV.Jh.-Seite). Ist das Gürtelende länger als eine Handspanne finden wir bei den breiten Gürteln gelegentlich die Schlaufung, ansonsten wird es, bei den schmaleren Gürteltypen sowieso, meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben. Diese Art der offiziellen Kleidung bleibt in den Städten lange vorherrschend.

Die bürgerliche Frau eifert dem Adel nach und hüllt sich in eine stoffreiche Variante der Houppelande mit weiten Ärmeln und hoher Taille nach flämisch-burgundischer Mode. Dieser Stil bleibt das gesamte Jahrhundert vorherrschend. Dazu wird ein breiter kurzer oder nach italienischer Mode ein schmalerer längerer Stoffgürtel getragen.10 Genauso werden aber auch reine Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel getragen, manchmal kurz, ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge, aber auch hier ist die Zunge oft vom Stoff verdeckt, so daß man über die Gesamtlänge nur wenig Aussagen machen kann.

Die Wohlhabenden lassen ihre Schnallen versilbern oder aus reinem Silber herstellen; Gold oder Vergoldungen bleiben dem Hochadel vorbehalten. Riemenbeschläge zur Zier sind zu Beginn des Jhs, wie im XIV. Jh, ein weit verbreiteter Gürtelschmuck, wobei auch Beschläge mit symbolischer Bedeutung, wie Devisen, Embleme oder Monogramme beliebt sind. Kettengürtel als ceinture longues des vorangegangenen Jahrhunderts erfahren kleine Abwandlungen zum demi ceint, sind Kombinationen von Stoff/Leder/Metall und bleiben beim Adel in kostbaren Ausführungen das ganze XV. Jh über beliebt. Einfachere Formen finden sich auch bei den Bürgern. Diese Gürteltypen werden vornehmlich von Frauen getragen. Ausführungen mit kurzen Kettenstücken aber auch von adeligen Männern. Vollmetallgürtel, wie sie z.B. auf den Dreikönigsbildtafeln bei Männern abgebildet werden, sind seltener von Frauen getragen und hauptsächlich erst im XVI. Jh aus der männlichen in die weibliche Modesphäre übernommen worden.








Einfache Darstellungen (Volk), gesamtes XV. Jh:

Handwerker und Bauern sind in der Regel mit weit geschnittenem knielangem Gewand (Kittel) dargestellt, das zum Ende des Jhs. immer kürzer wird, jedenfalls relativ stark bedeckt, im Gegensatz zum Knecht oder Gesellen, der manchmal Wams, Unterhemd aus Leinen oder sogar die Unterhose deutlich zeigt, also aufgrund körperlicher Arbeit nicht unbedingt ein Übergewand trägt. Frankfurt/Main 1469: „Wenn Gesellen barfuß und ohne Hosen zur Messe oder woanders hin auf Anordnung der Bruderschaft gehen, müssen sie Wachs geben, es sei denn, daß einer keine Hosen oder Hosenbeine hat“ [siehe auch unten Anmerk. 8]. Zum Ende des Jhs. wird auch von Jugendlichen der „guten Gesellschaft“ provokant großflächiger das Hemd gezeigt, aber natürlich nicht aus Leinen. Diese Modevariante wird im kommenden Jahrhundert eine grössere Rolle spielen.

Gürtelschnallen aus verzinntem Eisen, Zinn, Messing und Bronze sind geläufig. Durch die Zunftordnungen haben wir eine Standardisierung in der Zusammensetzung der Metalle und Spezifizierung in der Bearbeitung. Nun bereitet ein Rot- oder Gelbgießer seine Legierung nicht mehr nach eigener Rezeptur, sondern nach Vorschrift. Die hohe Mobilität von Kaufleuten und Handwerkern aller Gewerke verbreiten erprobte Techniken und Herstellungsverfahren über große Räume. Darstellungen aus dem Volk vermitteln uns eine recht einfache Gürtelmode. Kurze Ledergürtel in verschiedenen Stärken und Breiten, manchmal zwei Finger breit, manchmal oft weniger als Daumenbreite, werden vom Mann einfacher sozialer Schichten (Knechte, Kriegsknechte-Söldner, Handwerker) durch die Wämser und Schecken in der Taille oder auf der Hüfte getragen. Frauen unterer Schichten tragen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmaleren Ausführungen, in allen Längenvarianten aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte, also deutlich tiefer als bei der höfischen Mode. Auch reine Bindegürtel aus Stoff sind recht häufig, mit denen die Schürze gerafft werden kann, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllt. Es gibt weitere Sondervarianten ohne Schnallen, die eher durch ein Bindesystem mit Nestelspitzen schließen [Bilder werden folgen]. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert.

Zierrat am Gürtel ist auch bei den unteren Schichten durchaus den Abbildungen zu entnehmen, dazu werden Spenglin unterschiedlichster Ausführungen, oft einfache Lochverstärkungen (Lochspenglin) und durchlochte Rosetten, verwendet. Diese simplen Lochverstärkungen werden in der zweiten Hälfte des Jhs an Beliebtheit zunehmen. Für das Schwert, oder die Wehr bei einfacheren Darstellungen, kann der Mann einen zusätzlichen, meist recht schmalen, Gürtel tragen, so daß Leib- und Schwertgurt deutlich getrennt sind.






[Bild]

Mägde mit reichhaltig beschlagenen Gürteln

1400c Geburt Christi_Salzburg im boehmischen Stil









Anfang

XV. Jh





Typ Leierschnalle nach Fingerlin 1375 bis 1420, nach Krabath bis zum Ende des XV. Jhs, datiert

Riemenzunge ab 1350 bis Anfang XV. Jh



XIV-XV_020, bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Ausführung in me 79,00 EUR



XIV-XV_022, bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm

montiert 95,00 EUR

Spenglin links „Nr.7183“ u „Nr.7184“ rechts auf Anfrage










Anfang

XV. Jh








XIV-XV_023, bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Spenglin „Nr.7184“ auf Anfrage


XIV-XV_026, me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,3 x 2,3 cm

montiert 79,00 EUR

Spenglin rund „Nr.7035“ oder schmal „Nr.7116“

und Beutelhalter W_05 XIV-XV auf Anfrage










1. Hälfte

XV. Jh







Typ mit festem Schnallenbeschlag 1350-1450

6,5 x 3,5 cm, me für 20 mm Riemen

XIV-XV_051, me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 2 cm

montiert 75,00 EUR




XIV-XV_015, me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 2 cm

montiert 65,00 EUR

Spenglin „Nr.7183-3 auf Anfrage










XV. Jh





XV_00, me

mit Spenglin „Nr.7116“














XV. Jh










Schnalle SMA einfacher Schnallenbeschlag, me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Zunge 6,7 x 1 cm

montiert 49,00 EUR

+ 10 Spenglin „Nr.7026“ montiert 79,00 EUR










[Bild]

1440-45 Znaimer Altar mit Kreuzigung im Stil des „gemalten Reliefs“. Centurio mit Gürtel-Riemenschieber und Wuerfler als einfache Darstellungen





Der neue burgundische Stil erreicht die östlichen Reichsteile deutlich später. Exemplarisch dafür stehe der Meister des Schottenaltars in Wien mit seinen Altarretabeln vor 1470. Jener verarbeitet die Innovationen der altniederländischen Meister Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Derik Bouts.

Darsteller für den Adel, des Stadtpatriziats, des betuchten Bürgers werden sich mglw. an den naturalistischen Porträts solventer Auftraggeber (ausgeführt bsplw. durch H. Memling oder R. van der Weyden), mit zeitgenössischen Accessoires, erfreuen....



2. Hälfte XV. Jh

Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht

und Unmäßigkeit gleich geschehen“11

Dame und Einhorn, Musee de Cluny






XV. Jh 


Schnallen original XV-XVI. Jh










Gürtel und Mode in der zweiten Hälfte des XV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

Die Repräsentationsgewandung der oberen Schichten bei offiziellen Anlässen ist in der Regel noch eindeutig lang, kann aber ab Mitte des XV. Jhs auch erheblich kürzer ausfallen, Mitte Schienenbein oder knielang. Jüngere Zeitgenossen oder auch die italienische Mode zeigen noch kürzere Übergewandung. Der Adel ersetzt die Zaddelung der Kleidung und auch die Schleppe zunehmend durch Pelzbesatz. Schon vor der Jahrhundertmitte erscheint wieder das Schönheitsideal des 14. Jhs mit schlanken und spitzen Formen. Im Gegensatz dazu ist die mögliche Werktagskleidung eines niederen Adeligen auf den Reliefplatten von Osanna und Jörg von Rosenberg an der Burg Boxberg (Main-Tauber-Kreis) nach 1493 dargestellt, heute im Landesmuseum Karlsruhe. Im Gegensatz zur einer aufwändigen Grabplattengewandung tragen beide hier Alltagskleidung. Sie hat eine Feldflasche im Arm und auch er scheint eher zur Feldarbeit, bzw zur Inspektion auf dem Feld, vorbereitet zu sein. Sein Rock ist recht einfach gehalten und reicht bis zum Knie.12

Die bürgerliche Frau hüllt sich in eine Variante der Houppelande/Robe mit hoher Taille, knapp unter der Brust geschnürt nach flämisch-burgundischer Mode mit einem sehr breiten kurzen (bekanntes Bspl siehe die bürgerliche Stifterin auf Memlings Christopherustriptychon von 1484) oder nach italienischer Mode mit einem schmaleren längeren Stoffgürtel.13 Die Schnallen können vorne oder auf dem Rücken schließen. Genauso werden aber auch Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel getragen, manchmal kurz ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge. Zum Ende des Jhs. weicht die höfisch burgundische Mode überall den sich durchsetzenden einfacheren bürgerlichen Modeformen.

Das einfache Volk trägt insgesamt deutlich kürzere Übergewandungen. Der „Rock“ reicht dem Mann oft nur bis zum Oberschenkel. [wird noch weiter ausgebaut, ansonsten siehe auch oben „Einfache Darstellungen 1. Hälfte XV. Jhs“, da die Kleidung hier in geringerem Maße einem Modewechsel unterliegt...]










2. Hälfte

XV. Jh




Typ Doppeloval mit Riefen

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

Befestigung mit Blech sinnvoll, um Senkel problemlos durch zu führen.



Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag, me

für 15 mm Riemen

jede nun folgende Gürtelvariante ist alternativ mit



Doppeloval Riefen verzierter Schnallenbeschlag, me

für 15 mm Riemen

beiden unterschiedlichen Schnallenbeschlägen zu erhalten:








2. Hälfte

XV. Jh






Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag und Halbmondsenkel (siehe rechts), me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz) montiert 45,00 EUR

+ 10 Riemenbeschläge montiert 75,00 EUR

Spenglin von oben nach unten „Nr.7118“ / „Nr.7107“ / „Nr.7010“


Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag, me

Bspl. 15er Riemen rot

Halbmondsenkel“,

sehr häufige Zungenvariante bei Männern.

Frauen bevorzugen i. d. Regel etwas aufwändigere Formen








Ende

XV. Jh




Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag, me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Zunge 4,3 x 1,1 cm

montiert 55,00 EUR

+ 10 Lochspenglin „Nr.7001“

montiert 79,00 EUR




Doppeloval Riefen verzierter Schnallenbeschlag, me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Halbmondsenkel (oben rechts)

montiert 55,00 EUR

+ 10 Lochspenglin „Nr.7001“

montiert 85,00 EUR

Schnalle mit Blech, me inkl 20er Riemen

(natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

u Zunge

montiert 55,00 EUR

+ 10 Lochspenglin „Nr.7001“ montiert 85,00 EUR








Schnallentypen mit langer Laufzeit:





XV.

-

XVI. Jh 

1400-1500_zi

einfache schlichte eckige Schnallen sind bereits seit der 2. Hälfte des XIV. Jhs recht beliebt

XV-XVI_02_zi um 1450 bis 1650

Schlichter Schnallentypus, häufig auf Abbildungen

1400 bis um 1500_me










Die Gürtel auf dieser Seite stellen nur eine Auswahl dar. Die Schnallen-Präsentation am Stand ist umfangreicher, aber ändert sich saisonal:



XV. Jh me


XIV-XVI. Jh zi, vs u vz

(Schnallen-Präsentation Zinn am Marktstand, soll auf diesen Seiten später folgen)



Quellen und weiterführende Literatur:

- Archreal

- Becks, J. u. Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Borchert, T-H. (Hrsg.): Van Dyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa, Stuttgart 2010.

- Desch, J./Herrbach-Schmidt, B.(Hrsg.): Mittelalter. Führer durch die Abteilungen HMA und SMA. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2009.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Embleton, G. u. Howe, J.: Söldnerleben im Mittelalter, dt., Stuttgart 2006.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Rogier v d Weyden und seine Zeit. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Dissertation, Wien 2010.

- Husslein-Arco, A.: Sammlung Mittelalter im Belvedere, Wien 2014.

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Legner, A. (Hrsg.): Die Parler u d schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern. Ausstellung Schnütgen Museum, Köln 1978.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Wald-Michelbach 2005.

- Lichte, C. u Meurer, H.: Die mittelalterlichen Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2007.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.




...so endt das „medium aevum“ und eine neue Zit bricht an...




IX.-XII. / XIII. / XIV. / XV. / XVI. Jahrhundert




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

11/Hierzu ist vielleicht mal eine unangenehme Anmerkung vonnöten. Wer eine glaubwürdige Adelsdarstellung im Umfeld des burg. Hofes beabsichtigt, sollte sich tatsächlich höfische Formen antrainieren. Einfach nur schicke Sachen anziehen, reicht meiner Ansicht nach nicht aus. Es ist eine Frage des Ausdrucks, um diese selbst gewählte Rolle auch glaubhaft auszufüllen. /

2/Hierzu siehe im Detail P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 51. Anzumerken gilt, daß der regionale Wechsel von Modeformen für den heutigen Betrachter vor allem auch an der Übernahme dieses neuen Malstils und der neuen Bilderkonvention ablesbar ist. So ist die frühe Übernahme im Maas- und Rheinland (z.B. durch Stefan Lochner in Köln), in unmittelbarer Nähe zu den reichen Städten der Niederen Lande, verständlich mit der allmählichen Ausbreitung in die östlichen und südlichen Reichsgebiete, wo die Malerei der altniederländischen Schule erst deutlich in der zweiten Hälfte des XV. Jhs fasst (z.B. Meister des Schottenaltars in Wien um 1470).

3/Diese Bilder dienen häufig als Altarretabeln. Große klappbare Bildtafeln („Tafelmalerei“) hinter den Altären bemalt mit biblischen Szenen auf Außen- und Innenseiten. Sie dienten der privaten und öffentlichen Andacht und sind in jeder grösseren Stadt manchmal heute noch an Ort und Stelle. Oft sind sie nach der Säkularisierung aber auch in diverse Sammlungen gewandert. Für Darsteller des XV. Jhs können sie, mit gewissen Einschränkungen, ein mögliche Quelle sein, manchmal mit regionalen Bezügen! Man geht davon aus, daß junge Malergesellen während ihrer Wanderjahre bestimmte Motive, Kompositionen und Techniken in den unterschiedlichen Werkstätten gesehen, erlernt und später kopiert haben und sie sich so einen Motivfundus aneigneten. Eine Reise in die Niedere Lande war für viele obligatorisch. Niederländische Motive wurden als Reminiszenz vielfach tradiert über diverse Werkstätten weitergegeben. So ist erklärbar, daß sich Bilder in der Komposition, manchmal auch nur in Details, über grosse Distanzen ähneln oder bestimmte Protagonisten in ihrer Darstellung gleich einem Kanon festgelegt wurden. Es geht um genaue Identifizierbarkeit. In einer Zeit hohen Analphabetentums erstaunt dieses, seit Jahrhunderten ausgeübte, probate Mittel natürlich nicht [Borchert, Van Eyck bis Dürer, S. 13ff].

4/Lange Zeit wurde der Kleidung der Heiligen durch die Künstler keine grosse Aufmerksamkeit geschenkt und sie eher antikisierend dargestellt [Ars Sacra, S. 131]. Ab Mitte des XV. Jhs ändert sich das und die Kleidung der Protagonisten wird modisch und textilaufwändig, bei überliefertem höheren sozialen Stand auch recht prunkvoll.

5/Die Technik des plastischen Aufmodellierens mit Füllmasse war bereits etwas älter. Auch Arbeiten mit Punze und Stichel auf dem Grund sind üblich gewesen. Symmetrien wurden durch Schablonen und Einsatz des Zirkels erzeugt. Dadurch sind Accessoires, bsplw. mit zusätzlichen Versilberungen oder Vergoldungen, besonders hervorgehoben worden, um die Bedeutung ihrer Träger zu erhöhen. An den Gewändern wurde Goldbrokat imitiert bei Tafelbilder durch Bemalungen oder Preßbrokaten und bei Skulpturen teilweise sogar durch Schnitzwerk. Deren Gewänder konnten auch durch Preßbrokate, auf Modeln mit Werg in Zinnfolie hergestellt, beklebt werden. [Techniken siehe Publikationen des Landesmuseums Württemberg zu den mittelalterlichen Skulpturen und Ausstellung im Stadtmuseum Ulm_2015]

6/In Antwerpen war z.B. Ende des XV. Jhs das Bildthema der „Anbetung der heiligen drei Könige“ recht beliebt. Man führt dies auf das internationale Klientel der dort tätigen Kaufleute zurück, die sich möglw. in den weit gereisten Protagonisten wiederzuerkennen glaubten [Pinakothek, S. 289]. Im übertragenen Sinne symbolisierten die drei Könige die Lebensalter und zugleich die Erdteile Europa, Asien und Afrika, weshalb der König des letzteren oft als Schwarzer Darstellung fand. [Ars Sacra, S. 121] Die Könige zeigen sowohl hochmodische, äusserst kostbare, als auch fantastische Ausstattungsmerkmale, um die Fremdartigkeit der Weitgereisten zu betonen. Möglicherweise sind die Bilder auf die beliebten sakralen Bühnenstücke zurückzuführen, deren Anfänge es bereits seit dem 11. Jh. gab, in Form der Krippen- oder Dreikönigsspiele, der Passions- oder Kreuzigungsszenen, wie dem späteren „Volkreichen Kalvarienberg“. Es ist vielleicht nicht zu vermessen zu überlegen, ob die Schauspieler mit ihren Kostümen und der Ausstattung direkt Modell standen, ähnlich wie es von Rembrandts „Nachtwache“ bekannt ist? Maler waren durch die Kulissenerstellung unmittelbar an der Durchführung der Schauspiele beteiligt [siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 54]. Möglicherweise fertigten sich die Maler während der Aufführungen auch Skizzen an, die sie für die späteren Tafelbilder verwendeten. In der Kunstgeschichte wird zuweilen die bühnenartige Komposition der Figuren erwähnt. Waren die Aufführungen eher minimalistisch ausgestattet oder wurde geprunkt? Es ist denkbar, daß es ähnlich wie heute bei diesen Stücken unterschiedliche Praktiken gegeben hat, abhängig von Zeit und Ort, Autor, Publikum und finanziellen Mitteln, natürlich immer im Bereich dessen, was Kirche und Machthaber zuließen. Sind die „turbangeschmückten Orientalen“ als Juden oder Byzantiner, statt der einstigen Römer, nur eine Konvention, bzw. Codierung, um auf den eigentlichen Schauplatz des Heiligen Landes hinzuweisen [siehe dazu den Exkurs auf der Ersten Seite unten] oder spielen sogar politische Zeitbezüge durch Türkengefahr und Schaffung eines Feindbildes mit hinein? Spätgotische Tafelbilder zeigen zuhauf orientalische Merkmale, Protagonisten in edlen Stoffen mit östlichen Motiven, Turbane und weitere eigentümliche Kopfbedeckungen, breite Bindegürtel, Wehrgehänge mit Kettenverbindungen und Krummschwerter, Fratzen und Schreckmasken auf Schilden, Rüstungen und Metallgürteln, und vieles mehr. Zugleich wird dies mit Asseccoires aus dem heimatlichen Umfeld des Betrachters verbunden. Verzerrungen, Verfremdungen und orts- bzw. zeitgemäße Realien bilden ein buntes Potpourri. Zaghafte Ansätze sind bereits auf Abbildungen Mitte des XIII. Jhs. erkennbar (byzant. Rüstung auf Kreuzigungsszene, Dombibliothek Hildesheim), entwickeln sich in vorgenannter Richtung aber eigentlich erst um 1400, geraten im Laufe des XV. Jhs, nicht zuletzt durch den neuen Stil und die neue Maltechnik, zu einer perfekten Illusion, die dem heutigen Betrachter gewisse Probleme bereiten. Vielleicht wurde Unzeitgemässes oder geradezu Fantastisches auf die Bühne gebracht, da die Aufführungsorte mglw. in Konkurrenz zueinander standen. Es galt die Gunst eines grossen Publikums zu gewinnen. Ähnlich der Heiltumsschauen waren das sicherlich Massenaufläufe mit hohem wirtschaftlichem Faktor. So kann auch recht deftig aufgetragen worden sein. Nach alter Lehrmeinung wären die Bühnenstücke ein möglicher Erklärungsansatz für wiederkehrenden Motive auf den Tafelbildern, als Ausdruck lokaler Besonderheiten der Stücke. Bilddetails und Kompositionen würden also nicht mehr ausschließlich Werkstattkarrieren mit tradierten Motiven oder Vorlieben des Malers kennzeichnen, sondern wären um diese interessante Nuance erweitert. Selbst wenn man nicht so weit geht und ich möchte diesen Aspekt nicht weiter vertiefen, ist das genaue Identifizieren von Protagonisten, auf der Bühne für den damaligen Zuschauer, wie, für den heutigen Betrachter auf Tafelbildern, ein gemeinsames Unterfangen, das für uns eine gewisse Annäherung der beiden Ausdrucksformen Schauspiel und Bild bewirkt.

7/Es liegen, wie bereits erwähnt, teilweise höchst tendenziöse Bilder vor. Die Maler wollten eine bestimmte Wirkung erzielen. Die Aussage beschränkte sich nicht auf die „Handlung“ und die Protagonisten, sondern hierzu zählen genauso Mode und Accessoires, also Identifikationsfaktoren, die die Bildwirkung inhaltlich unterstützen. Heutige Darsteller für das XV. Jh. sollten sich aufgrund von Detailfülle und hohem „Realismusgrad“ der Bilder in manchen Bereichen nicht vorschnell zu einer „Eins zu Eins“-Übernahme verleiten lassen, ausserdem steht das „Grienen“ der Geißler nicht jedem...

8/Scott, Kleidung und Mode, S. 108.

9/Der Bürger ist Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben – diese Unterscheidung wird von Darstellern oft nicht vorgenommen. Denn nicht selten habe ich, der Kleidung nach, einen „Knecht/Kriegsknecht/Reisigen“ mit Nestelwams und Hose vor mir, der behauptet „Bürger“ zu sein. Mitnichten ist dem so, denn sonst würde er nicht in Kleidung herumlaufen, die großflächig Leinen-Unterwäsche sehen läßt. Nur niedere soziale Schichten werden zuweilen so abgebildet, bzw Menschen bei starker körperlicher Betätigung. So stellen die Abbildungen Talhoffers von 1467 Sondersituationen dar, mit Kämpfern zu Fuß ungegürtet in Nestelwams und Hose, wo an den Ärmeln, unter der Achsel und im Brustbereich Unterwäsche hervorlugt. Im Kampf zu Roß tragen diese hingegen eine kurze Joppe und meist ein gegürtetes Schwert. Auf anderen Abbildungen sehen wir Bauern auf dem Feld und Handwerker in der Werkstatt, die sich bei anstrengender Arbeit mehr oder weniger der Oberkleidung entledigen. Auf Bildern von Multscher um 1460 lugt Unterwäsche gerade ein wenig unter dem Wams hervor. Auf Abbildungen der Geissler von Baegert, Frueauf oder Altdorfer gegen oder um 1500 wird deutlich mehr gewagt. In der Öffentlichkeit oder zu offiziellen Anläßen zeigen Bauern, Handwerker und gestandene Bürger großflächig keine Unterwäsche. Denn das ist ihnen nicht erlaubt. Nur am tiefen Halsausschnitt und an den Ärmeln kann die Bürgersfrau möglicherweise ein Stück des Untergewands zeigen. Der Adel hingegen nimmt sich gegen Ende des XV. Jhs die Freiheit heraus provokant den Brustlatz oder an den Ärmeln das weisse Hemd aus kostbaren Stoffen, wie Seide, zu präsentieren, siehe Bilder von Memling oder Frueauf dem Älteren. Aber er wird ja nicht durch Kleiderordnungen reglementiert.

10/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.

11/Zeitgenössische dt Chronik, Zitat aus Thiel, Geschichte des Kostüms, S. 149

12/Desch/Herrbach-Schmidt, Mittelalter, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, S. 120

13/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.