XV. Jh


Die Quellen für das XV. Jh.:

Frankreich, durch Kriege und Bürgerkriege erschöpft, büsst seine Vormachtstellung in Europa zugunsten von Burgund ein. Dessen Herzöge haben durch Heirat und Diplomatie ihren Machtbereich erheblich erweitert. Der burgundische Hof beginnt Mode und Etikette stilbildend zu dominieren, gestützt auf die reichen Städte der Oberen und vor allem der Niederen Lande. Wobei die Führungsrolle des Hofes gegenüber dem aufstrebenden Bürgertum unbestritten ist. Prunkvolle Ausstattung und durch lange Schulung erreichte Eleganz in der Tragweise der Gewänder verleihen der burg. Mode eine Exklusivität, die man an anderen Fürstenhöfen so kaum findet.1 Im Reich wird der neue burgundische Stil im Westen schneller aufgenommen als im Osten, allerdings ohne die burg. Pracht zu erreichen. Die südöstl. Reichsgebiete haben noch Jahrzehnte unter den Folgen der Hussitenkriege zu leiden. Es dominieren hier in der ersten Hälfte des Jhs. ältere böhmisch-deutsche Stilrichtungen und im Süden Dtlds traditionell, auch die italienische Mode, die selbst nur partiell burgundische Formen übernimmt.

Ausgelöst durch die neuen Formen der Volksfrömmigkeit der devotio moderna, der unmittelbaren Erfahrbarkeit Christi, setzt sich seit den 1430er Jahren in der Malerei mit der neuen Ölfarben-Technik die ars nova, aus den burgund. Niederen Landen kommend durch (Meister von Flemalle, H. und J. van Eyk, u.a.).2 Sie verblüfft mit perspektivisch getreuer und plastischer Realitätsnähe. Landschaft, Sachkultur und Interieurs werden detailliert erfasst. Über das Rheinland (Zentrum Köln) verbreitet sich der Stil in weite Teile des Reichsgebiets.

An den Szenen aus der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus, Maria oder der Heiligen, die vornehmlich dargestellt werden, glaubt man vielfach die burgundisch höfische Prachtentfaltung dieser Zeit abzulesen. Auftraggeber ist meist ein frommer Stifter, der manchmal als profanes Element, mglw. mit seine Familie, andächtig knieend, im Bild auftaucht.3 Heilige werden mit ihren Attributen, je nach sozialem Stand zu ihren Lebzeiten dargestellt.4 Auch hier vermutet die Forschung, daß ihre Ausstattung mit teuren Accessoires und kostbaren Stoffen, die teilweise plastisch aufmodelliert werden, den hohen Adel widerspiegeln kann.5 Dessen Prunksucht wäre erklärbar als eine Antwort auf den anwachsenden Wohlstand des Bürgertums, dem mit Kleiderordnungen bereits seit geraumer Weile mehr oder weniger erfolgreich ein Normenzwang auferlegt wird. Es geht um die äusseren Formen des Machterhalts.



XV. Jh



Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht

und Unmäßigkeit gleich geschehen“6

Dame und Einhorn“, Musee de Cluny



= SEITE IN BEARBEITUNG =



Ledergürtel mit Schnallen aus Messing,

mit Schnallen aus Zinn (kommen noch mehr).



Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber












Auch aus den Geburts-, Passions- und Kreuzigungszenen sind prunkvolle Requisiten nicht wegzudenken. Neben zeitgenössischen Details muten viele aber geradezu fantastisch an, zeigen eine unzeitgemäße oder ortsferne Überhöhung mit Dingen, die man nicht unbedingt dem westeuropäischen Alltag zurechnen würde.7

Erfreulicherweise geraten mit den Schergen als Peiniger oder Würfler nun auch untere soziale Schichten ins Blickfeld der künstlerischen Darstellung. Doch in welcher Form? Die Kleidung scheint bei jenen wohl zeitgemäß, aber ihre grienenden, grinsenden Gesichter geben eine gewisse Einfältigkeit wieder, vermitteln zuweilen den Eindruck als wären sie wahnsinnig. Muß man in den Augen dieser Zeit in diesem Geisteszustand gewesen sein es zu wagen den König der Könige zu verspotten und zu schlagen?8



Neue Quellen erscheinen uns mit Druckverfahren auf das vermehrt in Gebrauch kommende Papier. Das Material bedarf einer grösseren Sorgfalt als Pergament, damit es für die Nachwelt erhalten bleibt, so ist anzunehmen, daß der überwiegende Teil dieser Drucke verloren ist. Erhaltene Holzschnitte stellen inhaltlich eine starke Vereinfachung und Konzentrierung auf das Wesentliche dar, Details, die auf gemalten Abbildungen in Fülle sichtbar sind, werden hier weggelassen. Erst zum Ende des Jahrhunderts erreichen Kupferstiche einen hohen Perfektionsgrad mit grosser Detailfreudigkeit.



Gürtel und Mode in der ersten Hälfte des XV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

Die neue Malerei zeigt uns seit den 30er Jahren des XV. Jhs die allmähliche Ablösung der stoff- und faltenreiche Houppelande mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, durch die Robe, mit engeren Ärmeln.9 Der Gürtel war hier unentbehrliches Requisit. Die pompös-üppigen Gewänder nahmen eher bürgerlich-sachliche Formen an, begründet durch die neue Malerei, in der das Bürgertum in den finanzstarken Niederen Landen mit zunehmenden Einfluß stärker hervortrat. Die Brüder van Eyck waren nicht nur die bevorzugten Hofmaler der burg. Fürsten, sondern auch die Begründer der bürgerlichen Malerei. Im Reich wurde dem Bürger Länge, Stoff, Zuschnitt, Anzahl der Falten, Schmuck und Accessoires der Kleidung durch Kleiderordnungen mit regionalen Unterschieden fest vorgegeben. Insgesamt haben wir eine deutliche Abgrenzung zur körperlich arbeitenden Bevölkerung.

Der bürgerliche Mann10 trug nach wie vor mit der Robe eine lange Standardgewandung, dazu den kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel mit schlichter runder oder eckiger Schnalle. Das Gürtelende zeigt gelegentlich die Schlaufung, ansonsten wurde es, wie bei den schmaleren Gürteltypen, meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben.

Die bürgerliche und adelige Frau trug zu ihrer Robe den breiten kurzen oder nach italienischer Mode den schmalen längeren Stoffgürtel.11 Genauso finden wir noch immer reine Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel, manchmal kurz, ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge.








Gürtel und Mode des einfachen Volkes, gesamtes XV. Jh:

Handwerker und Bauern wurden in der Regel mit weit geschnittenem knielangem Gewand (Kittel) dargestellt, das zum Ende des Jhs. immer kürzer wurde, jedenfalls relativ stark bedeckt, im Gegensatz zum Knecht oder Gesellen, der manchmal Wams, Unterhemd aus Leinen oder sogar die Unterhose deutlich zeigt, also aufgrund körperlicher Arbeit nicht unbedingt ein Übergewand trug. Frankfurt/Main 1469: „Wenn Gesellen barfuß und ohne Hosen zur Messe oder woanders hin auf Anordnung der Bruderschaft gehen, müssen sie Wachs geben, es sei denn, daß einer keine Hosen oder Hosenbeine hat“ [siehe auch unten Anmerk. 8]. Zum Ende des Jhs. wurde auch von Jugendlichen der „guten Gesellschaft“ provokant großflächiger das Hemd gezeigt, aber natürlich nicht aus Leinen. Diese Modevariante sollte im kommenden Jahrhundert eine grössere Rolle spielen.

Gürtelschnallen aus verzinntem Eisen, Zinn, Messing und Bronze waren geläufig. Durch die Zunftordnungen haben wir eine Standardisierung in der Zusammensetzung der Metalle und Spezifizierung in der Bearbeitung. Nun bereitete ein Rot- oder Gelbgießer seine Legierung nicht mehr nach eigener Rezeptur, sondern nach Vorschrift. Die hohe Mobilität von Kaufleuten und Handwerkern aller Gewerke verbreiteten erprobte Techniken und Herstellungsverfahren über große Räume. Darstellungen aus dem Volk vermitteln uns eine recht einfache Gürtelmode. Kurze Ledergürtel in verschiedenen Stärken und Breiten, manchmal zwei Finger breit, manchmal oft weniger als Daumenbreite, wurden vom Mann einfacher sozialer Schichten (Knechte, Kriegsknechte-Söldner, Handwerker) durch die Wämser und Schecken in der Taille oder auf der Hüfte getragen. Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen, in allen Längenvarianten aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte, also deutlich tiefer als bei der höfischen Mode. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen auch die Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Es gab weitere Sondervarianten ohne Schnallen, die eher durch ein Bindesystem mit Nestelspitzen schließen [Bilder werden folgen]. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert.

Zierrat am Gürtel ist auch bei den unteren Schichten durchaus den Abbildungen zu entnehmen, dazu wurden Spenglin unterschiedlichster Ausführung, oft einfache Lochverstärkungen (Lochspenglin) und durchlochte Rosetten, verwendet. Diese simplen Lochverstärkungen sollten in der zweiten Hälfte des Jhs an Beliebtheit zunehmen. Für das Schwert, oder die Wehr bei einfachen Darstellungen, konnte der Mann einen zusätzlichen, meist recht schmalen, Gürtel tragen, so daß Leib- und Schwertgurt deutlich getrennt wurden.






[Bild]

Mägde mit reichhaltig beschlagenen Gürteln

1400c „Geburt Christi“_Salzburg (im boehmischen Stil)






= hier nun Gürteltypen, die erst mit der Jahrhundertwende aufkommen aber sich teilweise das gesamte XV. Jh. halten =










XV. Jh







lange trapezförmige Schnalle mit Zier

verwendet seit Anf XV. Jh



XV_130_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Trapezform (nach 1400)

und Senkel 6,7 x 1 cm (nach 1400)

montiert 39,00 EUR



XV_125_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (in Italien seit Ende XIV, in Dtld später)

und Senkel 3,5 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR












XV. Jh







Eine Anmerkung zu den verwendeten Schnallenblechen: Auf den Abbildungen sind sie meist gerade noch an den Kanten zu sehen, oft aber verdeckt der Gurt das Blech vollkommen, im Gegensatz zu den vorhergegangenen Jahrhunderten. Archäologische Funde zeigen im guten Erhaltungszustand diese Bleche, bei vielen Funden fehlen sie hingegen.


Schaut man sich verschiedene Senkelformen an können sie nur an Gürteln mit Schnallenblechen befestigt worden sein, ein Umnähen des Gurtes hätte den Durchlaß durch den Schnallenrahmen zu sehr verengt [viele Reenacter kennen das Problem passende Senkel zu finden, wenn die Schnalle angenäht oder nur mit einem Niet befestigt wurde].


Deshalb verwende ich grundsätzlich zeitgemäße Bleche. Falls sie zu aufwändig erscheinen (im Gegensatz zu Fingerlins „Adelsblechen“ sind sie aber geradezu schäbig), können mit allen Schnallen auch unverzierte Bleche kombiniert werden.

XV_129_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

und Senkel 6,7 x 1 cm (nach 1400)

montiert 55,00 EUR

mit 10 Spenglin „Nr.7026“ montiert 85,00 EUR

XV_135_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 65,00 EUR

mit 10 Spenglin „Nr.7025“ montiert 95,00 EUR










XV. Jh





[Bild]

Halbmond“-Ort an Frauengürteln

in Nürnberg 1400c, Rottweil 1430c, Eichstätt 1449v, Nürnberg 1490c, Kalkar 1499c, Salzburg 1520c





[Bild]

kl. doppeltrapezförmige Schnalle

in der ausgeschwungenen Form an Frauengürteln

in Salzburg 1430c, Brixen 1470, Konstanz 1488

auch an Männergürteln zu finden, siehe Anglers „Kalvarienberg“ Pina_München 1440, Eichstätt 1445c oder St. Florian 1485


14 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Ort (nach 1400)

Halbmond“-Ort in 2 Varianten:

XV_155_me geschlossen (siehe Bild)

oder

XV_156_me offen (Bild anklicken)

montiert 45,00 EUR



XV_160_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 55,00 EUR








XV. Jh










XV_149_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 6 x 1,5 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 65,00 EUR



XV_150_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 6 x 1,5 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 65,00 EUR








XV. Jh








[Bild]

kl. oder mi. trapezförmige Schnalle

an Frauengürteln in Regensburg 1450c, Rottweil 1450c



an Männergürteln siehe Memlings „Hl. Georg“ Pina_München 1490 oder „Hl,.Rochus“ Nürnberg 1490v



XV_152_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (im Laufe des XV. Jhs)

montiert 59,00 EUR



XV_151_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (im Laufe des XV. Jhs)

montiert 59,00 EUR










XV. Jh









[Bild]

kl. oder mi. trapezförmige Schnalle

an Frauengürteln in Regensburg 1450c, Rottweil 1450c




XV_166_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit unverziertem Blech

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 55,00 EUR

Spenglin „Nr.7020“ optional



XV_165_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 4,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 65,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7022“ optional










XV. Jh








[Bild]

Schnalle mit Dekor

ähnlich in Salzburg 1470c, Wien 1495v



XV_140_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

und Senkel 3 x 2 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR

Spenglin „Nr.7001“ optional



XV_180_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1450)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR








XV. Jh






XV_185_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm (nach 1400)

montiert 85,00 EUR



XV_099_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

[hier provisorisch Borte]

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

und gr. „Halbmond“-Ort 5 x 3 cm (nach 1400)

montiert 79,00 EUR












XV. Jh





gr. trapezförmige Schnalle

an Männergürteln in Nordwestdtld 1410-20, Metz 1400c, Ebstorf 1410c, Eichstätt 1415c, Feltre 1473

an Frauengürteln in Ulm 1450c



[Bild]

grosse eckige Doppelschnalle

an Frauengürteln in Lübeck 1400, Salzburg 1408, Polen ohne Ort 1415v, Niederbayern ohne Ort 1440, Marburg 1470c, Bern 1500n


an Männergürteln in Straßburg 1420-30, Nürnberg 1450c, Münster 1470c, Wien 1470c, Lorch 1475c, Münster 1485c, Wesel 1494, Schw. Gmünd 1500, Zwiefalten 1516v, Mecheln 1520



die Form kann nach archäologischen Funden im Laufe des XV. Jh auch leicht „ausschwingen“

XV_190_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm (nach 1400)

montiert 95,00 EUR

XV_100_zi

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel halbrund 3 x 3 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR

Lochspenglin „Nr. 6050“ optional








Quellen für die 2. Hälfte des XV. Jhs:


Der neue burgundische Stil erreicht die östlichen Reichsteile deutlich später. Exemplarisch dafür stehe der Meister des Schottenaltars in Wien mit seinen Altarretabeln vor 1470. Jener verarbeitet die Innovationen der altniederländischen Meister Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Derik Bouts.

Darsteller für den Adel, des Stadtpatriziats, des betuchten Bürgers werden sich mglw. an den naturalistischen Porträts solventer Auftraggeber (ausgeführt bsplw. durch H. Memling oder R. van der Weyden), mit zeitgenössischen Accessoires, erfreuen....

Der Trittwebstuhl ist im Einsatz und ermöglicht die schnellere und preiswertere Herstellung von Stoffen, wovon alle Schichten profitieren sollten.

2. Hälfte XV. Jh

= SEITE IN BEARBEITUNG =

Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber



Nach wie vor nehmen Kleiderordnungen für uns einen hohen Stellenwert als Quelle ein. Eine Verordnung aus Straßburg von 1471 schrieb den „Hübschlerinnen“, auch „freien Töchtern“ oder „Fensterhennen“, vor Mäntel zu tragen mit einer Länge drei Finger breit über dem Boden, weder mit Seide, noch Feh gefüttert, auch goldene Spangen, goldene Gürtel, aus Koralle oder Chalzedon im Wert von 50 Gulden waren ihnen verboten,12 um den Unterschied zu ehrbaren Frauen deutlich aufzuzeigen, also war es letzteren wohl im gewissen Maß erlaubt. Es schwindet im Laufe des XV. Jhs der Wert einer Kleiderordnung, dessen ist sich die Obrigkeit bewusst, da Mode durch Erlasse nicht zu regulieren ist und zu sehr soziales Prestige mit ihr verbunden wird.








2. Hälfte

XV. Jh

Gürtel und Mode in der zweiten Hälfte des XV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

Die Repräsentationsgewandung der oberen Schichten bei offiziellen Anlässen war in der Regel noch eindeutig lang, konnte aber ab Mitte des XV. Jhs auch erheblich kürzer ausfallen, Mitte Schienenbein oder knielang. Jüngere Zeitgenossen oder auch die italienische Mode zeigten noch kürzere Übergewandung. Der Adel ersetzte die Zaddelung der Kleidung und auch die Schleppe zunehmend durch Pelzbesatz. Schon vor der Jahrhundertmitte erschien wieder das Schönheitsideal des 14. Jhs mit schlanken und spitzen Formen. Im Gegensatz dazu ist die mögliche Werktagskleidung eines niederen Adeligen auf den Reliefplatten von „Osanna und Jörg von Rosenberg“ an der Burg Boxberg (Main-Tauber-Kreis) nach 1493 dargestellt, heute im Landesmuseum Karlsruhe. Im Gegensatz zur einer aufwändigen Grabplattengewandung tragen beide hier Alltagskleidung. Sie hat eine Feldflasche im Arm und auch er scheint eher zur Feldarbeit, bzw zur Inspektion auf dem Feld, vorbereitet zu sein. Sein Rock ist recht einfach gehalten und reicht bis zum Knie.13

Die bürgerliche Frau trug nach wir vor die Robe mit hoher Taille, knapp unter der Brust geschnürt nach flämisch-burgundischer Mode mit einem sehr breiten kurzen (bekanntes Bspl. siehe die bürgerliche Stifterin auf Memlings Christopherustriptychon von 1484) oder nach italienischer Mode mit einem schmaleren längeren Stoffgürtel.14 Die Schnallen konnten vorne oder auf dem Rücken schließen. Genauso wurden aber auch Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel getragen, manchmal kurz ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge. Zum Ende des Jhs. wich die höfisch burgundische Mode überall den sich durchsetzenden einfachen bürgerlichen Modeformen. Neben den beliebten Kettengürteln fanden sich auch einfachere Formen ohne Schnallen bei den Bürgern und wurden vornehmlich von Frauen getragen. Ausführungen mit kurzen Kettenstücken auch von adeligen Männern. Vollmetallgürtel, wie sie z.B. auf den Dreikönigsbildtafeln bei Männern abgebildet werden, sind seltener von Frauen getragen und hauptsächlich erst im XVI. Jh aus der männlichen in die weibliche Mode übernommen worden.

Das einfache Volk trug insgesamt deutlich kürzere Übergewandungen. Der „Rock“ reichte dem Mann oft nur bis zum Oberschenkel. So war auch der Gürtel in der Regel deutlich kürzer als beim Adel oder Bürger. [wird noch weiter ausgebaut, ansonsten siehe auch oben „Einfache Darstellungen 1. Hälfte XV. Jhs“, da die Kleidung hier in geringem Maße einem Modewechsel unterliegt...]





= hier nun Gürteltypen, die erst um die Jahrhundertmitte aufkommen und sich teilweise bis Anf. des XVI. Jhs halten =





[Bild]

1440-45 Znaimer Altar mit Kreuzigung im Stil des „gemalten Reliefs“. Centurio mit Gürtel-Riemenschieber und Würfler als einfache Darstellungen








2. Hälfte

XV. Jh




Typ Doppeloval mit Riefen

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe Köln, bzw. Darmstadt 1447 oder auf dem Bild von Reymerswaele Pina_München 1538


XV_205_zi

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und „Halbmondort“ 1,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR

XV_200_zi

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Blech (nach 1440)

und gr. „Halbmondort“ 2 x 2,5 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR






2. Hälfte

XV. Jh



Doppeloval mit originaler Befestigung aus

Messing-/Bronze- oder Eisen-Blechen,

absolut sinnvoll, um Senkel oder Ort

problemlos durch zu führen.


XV_210_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Ort 4 x 2,5 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR








2. Hälfte

XV. Jh







[Bild]

Halbmond“-Ort an Männergürteln

siehe in Nottuln 1410c, Eichstätt 1415c u 1445c, Laufen 1445c, Lüneburg 1447v, Darmstadt 1450, Aachen 1450n, Erfurt 1460, Hof 1465, Nürnberg 1437,1440 u 1460, Klosterneuburg 1439v, Znaim 1444v, St. Florian 1485, Millstatt 1495, St. Mihiel 1500n, Brixen 1500, uvm

die häufigste Zunge in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln in der 2. Hälfte des XV. Jhs vor allem bei Männern, zuweilen bei Frauen, s.o.

ansonsten finden wir an Frauengürteln längliche Senkelformen

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

Halbmond“-Ort in 2 Varianten:

XV_225_me geschlossen (siehe Bild)

oder

XV_226_me offen (Bild anklicken)

montiert 45,00 EUR

XV_227_me

Spenglin „Nr.7184“ optional










2. Hälfte

XV. Jh





Eine andere häufige Variante für den „Ort“ an

Männergürteln sind Zungen mit kleinen Ösen,

die vermutlich aus der Zeit der

Schleppriemen von Schwertern stammen.

Sie werden bei den reinen Bindesystemen

in der 2. Hälfte des XV. Jhs nicht mehr benötigt.

Manchmal befinden sich noch Ringe in den Ösen,

siehe Prag 1380, Darmstadt 1450, Hof 1465, Meister d Marienlebens Pina_München 1480 mit kurzem Kettenstück, Aachen 1485c, Kaisheimer Altar 1502, Sebastiansaltar 1516

XV_229_me

häufige Tragweise, ohne Schlaufung

XV_229_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Ort 2,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7001“ optional










2. Hälfte

XV. Jh







Falls kein „Halbmond“-Ort getragen wird, auch längliche Senkel an Frauengürteln der unteren Schichten

z. B. Dresden 1475-80

Der Adel bevorzugt Varianten mit Scharnierkonstruktionen, kurzen Kettenstücken oder Ringen und Anhängern

XV_233_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Senkel 6,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 55,00 EUR

XV_232_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Senkel 4,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 55,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7001“ optional








2. Hälfte

XV. Jh


XV_235_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (im Laufe des XV. Jhs)

montiert 55,00 EUR

XV_236_me

Spenglin „Nr.7010“ optional

auch Lochspenglin „Nr. 7001 od. 7022“ möglich, s.o.








2. Hälfte

XV. Jh









Das Schnallenblech ist typisch für die 2. Hälfte des XV. Jhs nach einem Fund aus Pierrefonds und dem Fund eines Senkelfragments aus der Schelde.



XV_153_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Blech (nach 1450)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (im Laufe des XV. Jhs)

montiert 59,00 EUR




XV_250_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1450)

und Senkel 4,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 59,00 EUR








2. Hälfte

XV. Jh


XV_251_me

Spenglin „Nr.7010“ optional

auch Lochspenglin „Nr. 7022“ möglich, s.o.

XV_252_me

Lochspenglin „Nr.7001“ optional







Quellen und weiterführende Literatur:

- Archreal

- Becks, J. u. Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Borchert, T-H. (Hrsg.): Van Dyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa, Stuttgart 2010.

- Desch, J./Herrbach-Schmidt, B.(Hrsg.): Mittelalter. Führer durch die Abteilungen HMA und SMA. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2009.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Embleton, G. u. Howe, J.: Söldnerleben im Mittelalter, dt., Stuttgart 2006.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Rogier v d Weyden und seine Zeit. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Dissertation, Wien 2010.

- Husslein-Arco, A.: Sammlung Mittelalter im Belvedere, Wien 2014.

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H. (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Sonderausgabe Graz-Wien-Köln 1996.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Wald-Michelbach 2005.

- Lichte, C. u Meurer, H.: Die mittelalterlichen Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2007.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.




...so endt das „medium aevum“ und eine neue Zit bricht an...





...und jetzt wird es ganz schlimm... haben wir Christen uns bisher selbst zerfleischt, den slawischen oder islamischen Nachbarvölkern mit Feuer und Schwert die Segnungen unseres Glaubens gebracht, so sind nun Völker in Afrika und Amerika an der Reihe. Es wird auf dieser Welt nichts mehr so sein wie es war...






...muss mal gesagt werden, schließlich stellen wir keine schöne Zeit dar, sondern eine Epoche der Knechtschaft und Unfreiheit, Adelswillkür und Pfaffenherrschaft, Intoleranz und vielfältigen Beschränkungen … das, und noch viel mehr, wird nun auf ferne Kontinente exportiert, gräbt sich tief in fremde „Volksseelen“ ein – kein Wunder, das man dort irgendwann von Europäern die „Schnauze voll hat“…, vielleicht sollte ich doch mal über eine „Sansculotten“-Darstellung nachdenken. Aber das hat den Kolonialismus auch nicht beendet, ganz im Gegenteil...

Erwache BÜRGER...werde Mensch, aber lege dabei den tierischen Anteil des gefrässigen Raubtieres ab...!“



IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh.




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

11/Hierzu ist vielleicht mal eine unangenehme Anmerkung vonnöten. Wer eine glaubwürdige Adelsdarstellung im Umfeld des burg. Hofes beabsichtigt, sollte sich tatsächlich höfische Formen antrainieren. Einfach nur schicke Sachen anziehen, reicht meiner Ansicht nach nicht aus. Es ist eine Frage des Ausdrucks, um diese selbst gewählte Rolle auch glaubhaft auszufüllen. Gerade der burgund. Hof zeichnete sich in der 2. Hälfte des XV. Jhs durch übertriebene Strenge und Etikette aus. Viele Adelige aus ganz Europa schickten ihre Söhne an den burgundischen Hof, so daß durch jene unmittelbar Kleidung und Sitten verbreitet wurden. /

2/Hierzu siehe im Detail P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 51. Anzumerken gilt, daß der regionale Wechsel von Modeformen für den heutigen Betrachter vor allem auch an der Übernahme dieses neuen Malstils und der neuen Bilderkonvention ablesbar ist. So ist die frühe Übernahme im Maas- und Rheinland (z.B. durch Stefan Lochner in Köln), in unmittelbarer Nähe zu den reichen Städten der Niederen Lande, verständlich, mit einer zeitlich verzögerten Ausbreitung in die östlichen und südlichen Reichsgebieten, wo die Malerei der altniederländischen Schule erst deutlich in der zweiten Hälfte des XV. Jhs fasst (z.B. Meister des Schottenaltars in Wien um 1470).

3/Diese Bilder dienten häufig als Altarretabeln, hinter den Altären, mit großen klappbaren Bildtafeln („Tafelmalerei“) bemalt mit biblischen Szenen auf Außen- und Innenseiten. Sie wurden, wie andere Ausstattungsstücke der Kirche, meist von Privatpersonen oder Gemeinschaften, wie den Zünften, gestiftet. Durch diese guten Werke erhoffte man sich eine Verringerung der Sündenstrafen. Stiftungen waren oft mit Messen verbunden, die nach dem Tod der Stifter für deren Seelenheil gelesen werden sollten. Die Retabeln dienten der privaten und öffentlichen Andacht und sind in jeder grösseren Stadt manchmal heute noch an Ort und Stelle. Oft wanderten sie nach der Säkularisierung aber auch in diverse Sammlungen. Für Darsteller des XV. Jhs können sie, mit gewissen Einschränkungen, ein mögliche Quelle sein, manchmal mit regionalen Bezügen! Man geht davon aus, daß junge Malergesellen während ihrer Wanderjahre bestimmte Motive, Kompositionen und Techniken in den unterschiedlichen Werkstätten gesehen, erlernt und später kopiert haben und sie sich so einen Motivfundus aneigneten [siehe hierzu auch das Wiener Musterbuch aus dem 1. Viertel des XV. Jhs.]. Eine Reise in die Niederen Lande war für viele obligatorisch. Die neuen Motive wurden als Reminiszenz vielfach tradiert über diverse Werkstätten weitergegeben. So ist erklärbar, daß sich Bilder in der Komposition, manchmal auch nur in Details, über grosse Distanzen ähneln oder bestimmte Protagonisten in ihrer Darstellung gleich einem Kanon festgelegt wurden. Ein mögliches Ziel war die genaue Identifizierbarkeit. In einer Zeit hohen Analphabetentums erstaunt dieses, seit Jahrhunderten ausgeübte, probate Mittel natürlich nicht [Borchert, Van Eyck bis Dürer, S. 13ff].

4/Lange Zeit wurde der Kleidung der Heiligen durch die Künstler keine grosse Aufmerksamkeit geschenkt und sie eher antikisierend dargestellt [Ars Sacra, S. 131]. Ab Mitte des XV. Jhs ändert sich das und die Kleidung der Protagonisten wird modisch und textilaufwändig, bei überliefertem höheren sozialen Stand auch recht prunkvoll.

5/Die Technik des plastischen Aufmodellierens mit Füllmasse war bereits etwas älter. Auch Arbeiten mit Punze und Stichel auf dem Grund sind üblich gewesen. Symmetrien wurden durch Schablonen und Einsatz des Zirkels erzeugt. Dadurch sind Accessoires, bsplw. mit zusätzlichen Versilberungen oder Vergoldungen, besonders hervorgehoben worden, um die Bedeutung ihrer Träger zu erhöhen. An den Gewändern wurde Goldbrokat imitiert bei Tafelbilder durch Bemalungen oder Preßbrokaten und bei Skulpturen teilweise sogar durch Schnitzwerk. Deren Gewänder konnten auch durch Preßbrokate, auf Modeln mit Werg in Zinnfolie hergestellt, beklebt werden. [Techniken siehe Publikationen des Landesmuseums Württemberg zu den mittelalterlichen Skulpturen und Ausstellung im Stadtmuseum Ulm_2015]

6/Zeitgenössische dt Chronik, Zitat aus Thiel, Geschichte des Kostüms, S. 149

7/In Antwerpen war z.B. Ende des XV. Jhs das Bildthema der „Anbetung der heiligen drei Könige“ recht beliebt. Man führt dies auf das internationale Klientel der dort tätigen Kaufleute zurück, die sich möglw. in den weit gereisten Protagonisten wiederzuerkennen glaubten [Pinakothek, S. 289]. Im übertragenen Sinne symbolisierten die drei Könige die Lebensalter und zugleich die Erdteile Europa, Asien und Afrika, weshalb der König des letzteren oft als Schwarzer Darstellung fand. [Ars Sacra, S. 121] Die Könige zeigen sowohl hochmodische, äusserst kostbare, als auch fantastische Ausstattungsmerkmale, um die Fremdartigkeit der Weitgereisten zu betonen. Möglicherweise sind die Bilder auf die beliebten sakralen Bühnenstücke zurückzuführen, deren Anfänge es bereits seit dem 11. Jh. gab, in Form der Krippen- oder Dreikönigsspiele, der Passions- oder Kreuzigungsszenen, wie dem späteren „Volkreichen Kalvarienberg“. Es ist vielleicht nicht zu vermessen zu überlegen, ob die Schauspieler mit ihren Kostümen und der Ausstattung direkt Modell standen, ähnlich wie es von Rembrandts „Nachtwache“ bekannt ist? Maler waren durch die Kulissenerstellung unmittelbar an der Durchführung der Schauspiele beteiligt [siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 54]. Möglicherweise fertigten sich die Maler während der Aufführungen auch Skizzen an, die sie für die späteren Tafelbilder verwendeten. In der Kunstgeschichte wird zuweilen die bühnenartige Komposition der Figuren erwähnt. Waren die Aufführungen eher minimalistisch ausgestattet oder wurde geprunkt? Es ist denkbar, daß es ähnlich wie heute bei diesen Stücken unterschiedliche Praktiken gegeben hat, abhängig von Zeit und Ort, Autor, Publikum und finanziellen Mitteln, natürlich immer im Bereich dessen, was Kirche und Machthaber zuließen. Sind die „turbangeschmückten Orientalen“ als Juden oder Byzantiner, statt der einstigen Römer, nur eine Konvention, bzw. Codierung, um auf den eigentlichen Schauplatz des Heiligen Landes hinzuweisen [siehe dazu den Exkurs auf der Ersten Seite unten] oder spielen sogar politische Zeitbezüge durch Türkengefahr und Schaffung eines Feindbildes mit hinein? Spätgotische Tafelbilder zeigen zuhauf orientalische Merkmale, Protagonisten in edlen Stoffen mit östlichen Motiven, Turbane und weitere eigentümliche Kopfbedeckungen, breite Bindegürtel, Wehrgehänge mit Kettenverbindungen und Krummschwerter, Fratzen und Schreckmasken auf Schilden, Rüstungen und Metallgürteln (die dann im XVI. Jh auf Rüstungen realiter verwendet werden), und vieles mehr. Zugleich wird dies mit Asseccoires aus dem heimatlichen Umfeld des Betrachters verbunden. Verzerrungen, Verfremdungen und orts- bzw. zeitgemäße Realien bilden ein buntes Potpourri. Zaghafte Ansätze sind bereits auf Abbildungen Mitte des XIII. Jhs. erkennbar (byzant. Rüstung auf „Kreuzigungsszene“, Dombibliothek Hildesheim), entwickeln sich in vorgenannter Richtung aber eigentlich erst um 1400, geraten im Laufe des XV. Jhs, nicht zuletzt durch den neuen Stil und die neue Maltechnik, zu einer perfekten Illusion, die dem heutigen Betrachter gewisse Probleme bereiten. Vielleicht wurde Unzeitgemässes oder geradezu Fantastisches auf die Bühne gebracht, da die Aufführungsorte mglw. in Konkurrenz zueinander standen. Es galt die Gunst eines grossen Publikums zu gewinnen. Ähnlich der Heiltumsschauen waren das sicherlich Massenaufläufe mit hohem wirtschaftlichem Faktor. So kann auch recht deftig aufgetragen worden sein. Nach alter Lehrmeinung wären die Bühnenstücke ein möglicher Erklärungsansatz für wiederkehrenden Motive auf den Tafelbildern, als Ausdruck lokaler Besonderheiten der Stücke. Bilddetails und Kompositionen würden also nicht mehr ausschließlich Werkstattkarrieren mit tradierten Motiven oder Vorlieben des Malers kennzeichnen, sondern wären um diese interessante Nuance erweitert. Selbst wenn man nicht so weit geht und ich möchte diesen Aspekt nicht weiter vertiefen, ist das genaue Identifizieren von Protagonisten, auf der Bühne für den damaligen Zuschauer, wie, für den heutigen Betrachter auf Tafelbildern, ein gemeinsames Unterfangen, das für uns eine gewisse Annäherung der beiden Ausdrucksformen Schauspiel und Bild bewirkt.

8/Es liegen, wie bereits erwähnt, teilweise höchst tendenziöse Bilder vor. Die Maler wollten eine bestimmte Wirkung erzielen. Die Aussage beschränkte sich nicht auf die „Handlung“ und die Protagonisten, sondern hierzu zählen genauso Mode und Accessoires, also Identifikationsfaktoren, die die Bildwirkung inhaltlich unterstützen. Heutige Darsteller für das XV. Jh. sollten sich aufgrund von Detailfülle und hohem „Realismusgrad“ der Bilder in manchen Bereichen nicht vorschnell zu einer „Eins zu Eins“-Übernahme verleiten lassen, ausserdem steht das „Grienen“ der Geißler nicht jedem...

9/Scott, Kleidung und Mode, S. 108.

10/Der Bürger ist Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben – diese Unterscheidung wird von Darstellern oft nicht vorgenommen (man vermutet, daß in spätmittelalterlichen Städten nur maximal die Hälfte der Einwohner „Bürger“ waren, die anderen arbeiteten dort als Gesellen, verdingten sich als Mägde, Knechte oder Tagelöhner). Denn nicht selten habe ich, der Kleidung nach, einen „Knecht/Kriegsknecht/Reisigen“ mit Nestelwams und Hose vor mir, der behauptet „Bürger“ zu sein. Mitnichten ist dem so, denn sonst würde er nicht in Kleidung herumlaufen, die großflächig Leinen-Unterwäsche sehen läßt. Nur niedere soziale Schichten werden zuweilen so abgebildet, bzw Menschen bei starker körperlicher Betätigung. So stellen die Abbildungen Talhoffers von 1467 Sondersituationen dar, mit Kämpfern zu Fuß ungegürtet in Nestelwams und Hose, wo an den Ärmeln, unter der Achsel und im Brustbereich Unterwäsche hervorlugt. Im Kampf zu Roß tragen diese hingegen eine kurze Joppe und meist ein gegürtetes Schwert. Auf anderen Abbildungen sehen wir Bauern auf dem Feld und Handwerker in der Werkstatt, die sich bei anstrengender Arbeit mehr oder weniger der Oberkleidung entledigen. In der zweiten Hälfte des Jhs. sehen wir Knechte auf Passionsbildern deutlich Unterwäsche zeigen. Auf Bildern von Multscher um 1460 lugt Unterwäsche gerade ein wenig unter dem Wams hervor. Auf Abbildungen der Geissler von Baegert, Frueauf oder Altdorfer gegen oder um 1500 wird deutlich mehr gewagt. In der Öffentlichkeit und zu offiziellen Anläßen zeigen Bauern oder Handwerker und Kaufleute als gestandene Bürger großflächig keine Unterwäsche. Denn das ist ihnen nicht erlaubt, zudem auch sehr unschicklich, schließlich hat man seinen Ruf zu wahren! Nur am tiefen Halsausschnitt und an den Ärmeln kann die Bürgersfrau möglicherweise ein Stück des Untergewands zeigen. Der Adel hingegen nimmt sich gegen Ende des XV. Jhs die Freiheit heraus provokant den Brustlatz oder an den Ärmeln das weisse Hemd aus kostbaren Stoffen, wie Seide, zu präsentieren, siehe Bilder von Memling oder Frueauf dem Älteren. Aber er wird ja nur bedingt durch Kleiderordnungen reglementiert.

11/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.

12/Kühnel, Alltag im SMA, S. 42. Hier wird auch noch einmal recht deutlich gemacht, daß ein gelbes Kleid nicht automatisch die Dirne kennzeichnete, sondern es gewisse Accessoires waren, die regional unterschiedlich, wie Tüchlein, Kappen, Schleier, etc. von gelber, roter oder grüner Farbe oder Farbanteilen den besonderen Status hervorhub, wobei gelb durchaus seit röm. Zeit als galante, erotische Farbe galt.

13/Desch/Herrbach-Schmidt, Mittelalter, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, S. 120

14/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.