XV. Jh


Die Quellen für das XV. Jh.:

Frankreich, durch Kriege und Bürgerkriege erschöpft, büsst seine Vormachtstellung in Europa zugunsten von Burgund ein. Dessen Herzöge haben durch Heirat und Diplomatie ihren Machtbereich erheblich erweitert. Der burgundische Hof, gestützt auf die reichen Städte der Oberen und vor allem der Niederen Lande, beginnt Mode und Etikette zu dominieren. Wobei die Führungsrolle des Hofes gegenüber den aufstrebendem Bürgertum unbestritten ist. Prunkvolle Ausstattung und durch lange Schulung erreichte Eleganz in der Tragweise1 der Gewänder verleihen der burg. Mode eine Exklusivität, die an anderen Fürstenhöfen so nicht zu finden war. Im Reich wird der neue burgundische Stil im Westen schneller aufgenommen als im Osten, allerdings ohne die burg. Pracht zu erreichen. Die südöstl. Reichsgebiete haben noch Jahrzehnte unter den Folgen der Hussitenkriege zu leiden. Es dominieren hier ältere böhmisch-deutsche Stilrichtungen und im Süden Dtlds traditionell, auch die italienische Mode, die selbst nur partiell burgundische Formen übernimmt.

Ausgelöst durch die neuen Formen der Volksfrömmigkeit der devotio moderna, der unmittelbaren Erfahrbarkeit Christi, setzt sich seit den 1430er Jahren in der Malerei mit der neuen Ölfarben-Technik die ars nova, aus den burgund. Niederen Landen kommend durch (van Eyk, van der Weyden, u.a.).2 Sie verblüfft mit perspektivisch getreuer und plastischer Realitätsnähe. Sachkultur und Interieurs werden detailliert erfasst. Über das Rheinland verbreitet sich der Stil in weite Teile des Reichsgebiets.

Darsteller für den Adel werden sich an den naturalistischen Porträts der solventen Auftraggeber, mit zeitgenössischen Accessoires, erfreuen. Auch an den Szenen aus der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus, Maria oder der Heiligen, die vornehmlich dargestellt werden, glaubt man vielfach die burgundisch höfische Prachtentfaltung dieser Zeit abzulesen. Auftraggeber ist die Kirche oder ein frommer Stifter, der manchmal als profanes Element, mglw. mit seine Familie, andächtig knieend, darin auftaucht. Diese Bilder dienen häufig als Altarretabeln.3 Heilige werden mit ihren Attributen, je nach sozialem Stand zu ihren Lebzeiten dargestellt.4 Auch hier glaubt man, daß ihre Ausstattung mit teuren Accessoires und kostbaren Stoffen, die teilweise plastisch vermittelt werden, den damaligen hohen Adel widerspiegelt. Dessen Prunksucht wäre erklärbar als eine Antwort auf den anwachsenden Wohlstand des Bürgertums, dem mit Kleiderordnungen bereits seit geraumer Weile ein Normenzwang auferlegt wird. Es geht um äussere Formen des Machterhalts.

Auch aus den Geburts-5, Passions- und Kreuzigungszenen sind prunkvolle Requisiten nicht wegzudenken. Neben zeitgenössischen Details muten viele aber geradezu fantastisch an, zeigen eine unzeitgemäße oder ortsferne Überhöhung mit Dingen, die man nicht unbedingt dem westeuropäischen Alltag zurechnen würde.

Erfreulicherweise geraten mit den Schergen als Peiniger oder Würfler nun auch untere soziale Schichten ins Blickfeld der künstlerischen Darstellung. Doch in welcher Form? Die Kleidung scheint bei jenen wohl zeitgemäß, aber ihre grienenden, grinsenden Gesichter geben eine gewisse Einfältigkeit wieder, vermitteln zuweilen den Eindruck als wären sie wahnsinnig. Muß man in den Augen dieser Zeit in diesem Geisteszustand gewesen sein es zu wagen den König der Könige zu verspotten und zu schlagen?6



XV. Jh



Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht

und Unmäßigkeit gleich geschehen“7



Dame und Einhorn, Musee de Cluny



Ledergürtel

Kettengürtel (kommen noch)

Beutelhalter (siehe XIV. Jh)



= SEITE IN BEARBEITUNG =





Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber




















Neue Quellen erscheinen uns mit den Druckverfahren auf das vermehrt in Gebrauch kommende Papier. Das Material bedarf einer grösseren Sorgfalt als Pergament, um es für die Nachwelt zu erhalten, so ist anzunehmen, daß der überwiegende Teil dieser Drucke verloren ist. Das was von Holzschnitten erhalten ist stellt inhaltlich immer einer starke Vereinfachung und Konzentrierung auf das Wesentliche dar, Details, die auf gemalten Abbildungen in Fülle sichtbar sind, werden hier lange Zeit weggelassen. Erst zum Ende des Jahrhunderts erreichen Kupferstiche einen hohen Perfektionsgrad mit grosser Detailfreudigkeit.



Gürtel und Mode im XV. Jh (höfische u bürgerliche Formen):

Seit dem Ende des XIV. Jh. ist bei Begüterten und Bürgern8 das lange stoff- und faltenreiche Gewand, wie die Houppelande, beim Adel oft mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, in Mode und wird seit den 30er Jahren des XV. Jhs. allmählich durch die Robe9, mit engeren Ärmeln, abgelöst. Beim Adel wird die Zaddelung und ab Mitte des Jhs auch die Schleppe zunehmend durch Pelzbesatz ersetzt. Länge, Stoff, Zuschnitt, Anzahl der Falten, Schmuck und Accessoires wird durch Kleiderordnungen mit regionalen Unterschieden fest vorgeschrieben. Wir haben eine deutliche Abgrenzung zur körperlich arbeitenden Bevölkerung und zum Militär.

Der bürgerliche Mann trägt zur Houppelande/Robe einen kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel oft mit schlichter runder oder eckiger Schnalle, die Zeit des langen Gürtels ist endgültig vorbei (siehe letzte Beispiele um 1400 auf der XIV.Jh.-Seite). Ist das Gürtelende länger als eine Handspanne finden wir bei den breiten Gürteln gelegentlich die Schlaufung, ansonsten wird es, bei den schmaleren Gürteltypen sowieso, meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben. Die bürgerliche Frau in den westlichen Reichsteilen hüllt sich in eine Variante der Houppelande/Robe mit hoher Taille, knapp unter der Brust geschnürt nach flämisch-burgundischer Mode mit einem sehr breiten kurzen oder nach süddt-ital. Mode mit einem schmaleren längeren Stoffgürtel.10 Die Schnallen können vorne oder auf dem Rücken schließen.

Die Wohlhabenden lassen ihre Schnallen versilbern oder aus reinem Silber herstellen; Gold oder Vergoldungen bleiben dem Hochadel vorbehalten. Riemenbeschläge zur Zier sind zu Beginn des Jhs, wie im XIV. Jh, ein weit verbreiteter Gürtelschmuck und der Adel hält noch lange am extravaganten Gürtel fest, wobei auch Beschläge mit symbolischer Bedeutung, wie Devisen, Embleme oder Monogramme beliebt sind. Kettengürtel als ceinture longues des vorangegangenen Jahrhunderts erfahren kleine Abwandlungen zum demi ceint, sind Kombinationen von Stoff/Leder/Metall und bleiben beim Adel das ganze XV. Jh über beliebt. Diese Gürteltypen werden von Frauen und Männern getragen. Vollmetallgürtel, wie sie z.B. auf den Dreikönigsbildtafeln bei Männern abgebildet werden, sind selten von Frauen getragen und erst im XVI. Jh aus der männlichen in die weibliche Modesphäre übernommen worden.








Einfache Darstellungen (Volk):

Handwerker und Bauern sind in der Regel mit weit geschnittenem knielangem Gewand (Kittel) dargestellt, das zum Ende des Jhs. immer kürzer wird, jedenfalls relativ stark bedeckt, im Gegensatz zum Knecht oder Gesellen, der manchmal Wams, leinernes Unterhemd oder sogar die Unterhose deutlich zeigt, also aufgrund körperlicher Arbeit nicht unbedingt ein Übergewand trägt. Frankfurt/Main 1469: „Wenn Gesellen barfuß und ohne Hosen zur Messe oder woanders hin auf Anordnung der Bruderschaft gehen, müssen sie Wachs geben, es sei denn, daß einer keine Hosen oder Hosenbeine hat.“[siehe Anmerk. 7] Zum Ende des Jhs. wird auch von Jugendlichen der „guten Gesellschaft“ provokant großflächiger das Hemd gezeigt, aber natürlich nicht aus Leinen. Diese Modevariante sollte allerdings erst in der Renaissance eine grössere Rolle spielen.

Gürtelschnallen aus verzinntem Eisen, Zinn, Messing und Bronze sind geläufig. Durch die Zunftordnungen haben wir eine Standardisierung in der Zusammensetzung der Metalle und Spezifizierung in der Bearbeitung. Nun bereitet ein Rot- oder Gelbgießer seine Legierung nicht mehr nach eigener Rezeptur, sondern nach Vorschrift. Die hohe Mobilität von Kaufleuten und Handwerkern aller Gewerke verbreiten erprobte Techniken und Herstellungsverfahren über große Räume. Darstellungen aus dem Volk vermitteln uns eine recht einfache Gürtelmode. Kurze Ledergürtel in verschiedenen Stärken und Breiten, manchmal zwei Finger breit, oft weniger als Daumenbreite, werden vom Mann einfacher sozialer Schichten (Knechte, Kriegsknechte-Söldner, Handwerker) durch die Wämser und Schecken in der Taille oder auf der Hüfte getragen, von Frauen unterer Schichten mit einer gewissen Tendenz zu schmaleren Ausführungen in allen Längenvarianten aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert.

Auch hier sind Sondervarianten von Kettengürteln möglich, die eher durch ein Bindesystem mit Nestelspitzen schließen [Bilder werden folgen]. Zum Ende des Jhs. sind, Abbildungen nach, durchlochte Rosetten und mehr oder weniger ziervolle Lochverstärkungen (Lochspenglin) der Gürtelschmuck. Für das Schwert, oder die Wehr bei einfacheren Darstellungen, kann der Mann einen zusätzlichen, meist recht schmalen, Gürtel tragen.













Anfang

XV. Jh





Typ Leierschnalle nach Fingerlin 1375 bis 1420, nach Krabath bis zum Ende des XV. Jhs, datiert

Riemenzunge ab 1350 bis Anfang XV. Jh



XIV-XV_020, bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Ausführung in me 79,00 EUR



XIV-XV_022, bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm

montiert 95,00 EUR

Spenglin links „Nr.7183“ u „Nr.7184“ rechts auf Anfrage










Anfang

XV. Jh








XIV-XV_023, bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Spenglin „Nr.7184“ auf Anfrage


XIV-XV_026, me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,3 x 2,3 cm

montiert 79,00 EUR

Spenglin rund „Nr.7035“ oder schmal „Nr.7116“

und Beutelhalter W_05 XIV-XV auf Anfrage










1. Hälfte

XV. Jh







Typ mit festem Schnallenbeschlag 1350-1450

6,5 x 3,5 cm, me für 20 mm Riemen

XIV-XV_051, me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 2 cm

montiert 75,00 EUR




XIV-XV_015, me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 2 cm

montiert 65,00 EUR

Spenglin „Nr.7183-3 auf Anfrage










XV. Jh


mit Spenglin

kleine Lilien „Nr.7678



XV_00, me

mit Spenglin „Nr.7116“














XV. Jh










Schnalle SMA einfacher Schnallenbeschlag, me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Zunge 6,7 x 1 cm

montiert 49,00 EUR

+ 10 Spenglin „Nr.7026“ montiert 79,00 EUR







XV. Jh 


Schnallen original XV-XVI. Jh













2. Hälfte

XV. Jh




Typ Doppeloval mit Riefen

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

Befestigung mit Blech sinnvoll, um Senkel problemlos durch zu führen.



Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag, me

für 15 mm Riemen

jede nun folgende Gürtelvariante ist alternativ mit



Doppeloval Riefen verzierter Schnallenbeschlag, me

für 15 mm Riemen

beiden unterschiedlichen Schnallenbeschlägen zu erhalten:








2. Hälfte

XV. Jh






Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag und Halbmondsenkel (siehe rechts), me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz) montiert 45,00 EUR

+ 10 Riemenbeschläge montiert 75,00 EUR

Spenglin von oben nach unten „Nr.7118“ / „Nr.7107“ / „Nr.7010“


Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag, me

Bspl. 15er Riemen rot

Halbmondsenkel ab Mitte XV. Jh

sehr häufige Zungenvariante

[auf dem Bild provisorisch gesteckt]








Ende

XV. Jh




Doppeloval Riefen einfacher Schnallenbeschlag, me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Zunge 4,3 x 1,1 cm

montiert 55,00 EUR

+ 10 Lochspenglin „Nr.7001“

montiert 79,00 EUR




Doppeloval Riefen verzierter Schnallenbeschlag, me

inkl. 15er Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Halbmondsenkel (oben rechts)

montiert 55,00 EUR

+ 10 Lochspenglin „Nr.7001“

montiert 85,00 EUR

Schnalle mit Blech, me inkl 20er Riemen

(natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

u Zunge

montiert 55,00 EUR

+ 10 Lochspenglin „Nr.7001“ montiert 85,00 EUR








Schnallentypen mit langer Laufzeit:





XV.

-

XVI. Jh 

1400-1500_zi

einfache schlichte eckige Schnallen sind bereits seit der 2. Hälfte des XIV. Jhs recht beliebt

XV-XVI_02_zi um 1450 bis 1650

Schlichter Schnallentypus, häufig auf Abbildungen

1400 bis um 1500_me










Die Gürtel auf dieser Seite stellen nur eine Auswahl dar. Die Schnallen-Präsentation am Stand ist umfangreicher, aber ändert sich saisonal:



XV. Jh me


XIV-XVI. Jh zi, vs u vz

(Schnallen-Präsentation Zinn am Marktstand, soll auf diesen Seiten später folgen)



Quellen und weiterführende Literatur:

- Archreal

- Becks, J. u. Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Borchert, T-H. (Hrsg.): Van Dyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa, Stuttgart 2010.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Embleton, G. u. Howe, J.: Söldnerleben im Mittelalter, dt. Stuttgart 2006.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Rogier v d Weyden und seine Zeit. Kleiderkommunikation im christl. Kult. Dissertation Wien 2010.

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Legner, A. (Hrsg.): Die Parler u d schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern. Ausstellung Schnütgen Museum, Köln 1978.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Wald-Michelbach 2005.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.




...so endt das „medium aevum“ und eine neue Zit bricht an...




IX.-XII. / XIII. / XIV. / XV. / XVI. Jahrhundert




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

11/Hierzu ist vielleicht mal eine Anmerkung vonnöten. Wer eine glaubwürdige Adelsdarstellung im Umfeld des burg. Hofes beabsichtigt, sollte sich tatsächlich höfische Formen antrainieren. Einfach nur schicke Sachen anziehen, reicht nicht aus. Es ist eine Frage des Ausdrucks, um diese selbst gewählte Rolle auch glaubhaft auszufüllen. /

2/Details siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 51

3/Große klappbare Bildtafeln (Tafelmalerei) hinter den Altären mit Außen- und Innenseiten, bemalt mit biblischen Szenen. Sie dienten der privaten und öffentlichen Andacht und sind in jeder grösseren Stadt manchmal heute noch an Ort und Stelle. Oft sind sie nach der Säkularisierung aber auch in diverse Sammlungen gewandert. Für Darsteller des XV. Jhs können sie, mit gewissen Einschränkungen, ein mögliche Quelle sein, manchmal mit regionalen Bezügen! Man geht davon aus, daß junge Malergesellen während ihrer Wanderjahre bestimmte Motive, Kompositionen und Techniken in den unterschiedlichen Werkstätten gesehen, erlernt und später kopiert haben und sie sich so einen Motivfundus aneigneten. Eine Reise in die Niederlande war für viele obligatorisch. Niederländische Motive wurden als Reminiszenz vielfach tradiert über diverse Werkstätten weitergegeben. So ist erklärbar, daß sich Bilder in der Komposition, manchmal auch nur in kleinen Details, über grosse Distanzen ähneln oder bestimmte Protagonisten in ihrer Darstellung gleich einem Kanon festgelegt wurden. Es geht um genaue Identifizierbarkeit. In einer Zeit hohen Analphabetentums erstaunt dieses, seit Jahrhunderten ausgeübte, probate Mittel natürlich nicht [Borchert, Van Eyck bis Dürer, S. 13ff].

4/Lange Zeit wurde der Kleidung der Heiligen keine grosse Aufmerksamkeit geschenkt und sie eher antikisierend dargestellt [Ars Sacra, S. 131]. Ab Mitte des XV. Jhs ändert sich das und die Protagonisten sind modisch und textilaufwändig, bei überliefertem höheren sozialen Stand auch recht prunkvoll, gekleidet.

5/In Antwerpen war z.B. Ende des XV. Jhs das Bildthema der „Anbetung der heiligen drei Könige“ recht beliebt. Man führt dies auf das internationale Klientel der dort tätigen Kaufleute zurück, die sich möglw. in den weit gereisten Protagonisten wiederzuerkennen glaubten [Pinakothek, S. 289]. Im übertragenen Sinne symbolisierten die drei Könige die Lebensalter und zugleich die Erdteile Europa, Asien und Afrika, weshalb der König des letzteren oft als Schwarzer Darstellung fand. [Ars Sacra, S. 121] Die Könige zeigen sowohl hochmodische, äusserst kostbare, als auch fantastische Ausstattungsmerkmale, um die Fremdartigkeit der Weitgereisten zu betonen. Möglicherweise sind die Bilder auf die beliebten sakralen Bühnenstücke zurückzuführen, deren Anfänge es bereits seit dem 11. Jh. gab, in Form der Krippen- oder Dreikönigsspiele, der Passions- oder Kreuzigungsszenen, wie dem späteren „Volkreichen Kalvarienberg“. Es ist vielleicht nicht zu vermessen zu überlegen, ob die Schauspieler mit ihren Kostümen und der Ausstattung direkt Modell standen, ähnlich wie es von Rembrandts „Nachtwache“ bekannt ist? Maler waren durch die Kulissenerstellung unmittelbar an der Durchführung der Schauspiele beteiligt [siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 54]. Möglicherweise fertigten sich die Maler während der Aufführungen auch Skizzen an, die sie für die späteren Tafelbilder verwendeten. In der Kunstgeschichte wird zuweilen die bühnenartige Komposition der Figuren erwähnt. Waren die Aufführungen eher minimalistisch ausgestattet oder wurde geprunkt? Es ist denkbar, daß es ähnlich wie heute bei diesen Stücken unterschiedliche Praktiken gegeben hat, abhängig von Zeit und Ort, Autor, Publikum und finanziellen Mitteln, natürlich immer im Bereich dessen, was Kirche und Machthaber zuließen. Sind die „turbangeschmückten Orientalen“ als Juden oder Byzantiner, statt der einstigen Römer, nur eine Konvention, bzw. Codierung, um auf den eigentlichen Schauplatz des Heiligen Landes hinzuweisen [siehe dazu den Exkurs auf der Ersten Seite unten] oder spielen sogar politische Zeitbezüge durch Türkengefahr und Schaffung eines Feindbildes mit hinein? Spätgotische Tafelbilder zeigen zuhauf orientalische Merkmale, Protagonisten in edlen Stoffen mit östlichen Motiven, Turbane und weitere eigentümliche Kopfbedeckungen, breite Bindegürtel, Wehrgehänge mit Kettenverbindungen und Krummschwerter, Fratzen und Schreckmasken auf Schilden, Rüstungen und Metallgürteln, und vieles mehr. Zugleich wird dies mit Asseccoires aus dem heimatlichen Umfeld des Betrachters verbunden. Verzerrungen, Verfremdungen und orts- bzw. zeitgemäße Realien bilden ein buntes Potpourri. Zaghafte Ansätze sind bereits auf Abbildungen Mitte des XIII. Jhs. erkennbar (byzant. Rüstung auf Kreuzigungsszene, Dombibliothek Hildesheim), entwickeln sich in vorgenannter Richtung aber eigentlich erst um 1400, geraten im Laufe des XV. Jhs, nicht zuletzt durch den neuen Stil und die neue Maltechnik, zu einer perfekten Illusion, die dem heutigen Betrachter gewisse Probleme bereiten. Vielleicht wurde Unzeitgemässes oder geradezu Fantastisches auf die Bühne gebracht, da die Aufführungsorte mglw. in Konkurrenz zueinander standen. Es galt die Gunst eines grossen Publikums zu gewinnen. Ähnlich der Heiltumsschauen waren das sicherlich Massenaufläufe mit hohem wirtschaftlichem Faktor. So kann auch recht deftig aufgetragen worden sein. Nach alter Lehrmeinung wären die Bühnenstücke ein möglicher Erklärungsansatz für wiederkehrenden Motive auf den Tafelbildern, als Ausdruck lokaler Besonderheiten der Stücke. Bilddetails und Kompositionen würden also nicht mehr ausschließlich Werkstattkarrieren mit tradierten Motiven oder Vorlieben des Malers kennzeichnen, sondern wären um diese interessante Nuance erweitert. Selbst wenn man nicht so weit geht und ich möchte diesen Aspekt nicht weiter vertiefen, ist das genaue Identifizieren von Protagonisten, auf der Bühne für den damaligen Zuschauer, wie, für den heutigen Betrachter auf Tafelbildern, ein gemeinsames Unterfangen, das für uns eine gewisse Annäherung der beiden Ausdrucksformen Schauspiel und Bild bewirkt.

6/Es liegen, wie bereits erwähnt, teilweise höchst tendenziöse Bilder vor. Die Maler wollen eine bestimmte Wirkung erzielen. Die Aussage wird sich nicht auf die „Handlung“ und die Protagonisten beschränken, sondern man muss hierzu genauso die Mode und die Accessoires zählen, also Identifikationsfaktoren, die die Bildwirkung inhaltlich unterstützen. Heutige Darsteller für das XV. Jh. sollten sich aufgrund von Detailfülle und hohem „Realismusgrad“ der Bilder in manchen Bereichen nicht vorschnell zu einer „Eins zu Eins“-Übernahme verleiten lassen. Mit anderen Worten: Die Stadtwache von Aachen trug um 1490 nicht unbedingt ein Krummschwert im Dienst und es muß auch nicht zwingend ein „Beutestück“ sein, nur weil zeitgenössische tendenziöse Bilder diese Vorgabe machen. [Siehe dazu auch den Exkurs auf der Ersten Seite unten]. Allerdings muss ich diese Aussage einschränken. In Italien lagen die Dinge wohl anders. Auf einer Abbildung im Libellus Fratris Telophori in San Daniele del Friuli von ca. 1426 [Quelle siehe Bergamini, Miniatura in Friuli, S. 118] werden durchaus Bewaffnete Europäer mit gekrümmten Klingen gezeigt. Der Papst und auch ein Bischof werden abgebildet, es ist also nicht mit einer biblischen Szene zu rechnen, obwohl ich das Dargestellte nicht eindeutig verstehe.

7/Zeitgenössische dt Chronik, Zitat aus Thiel, Geschichte des Kostüms, S. 149

8/Der Bürger ist Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben – diese Unterscheidung wird von Darstellern oft nicht vorgenommen. Denn nicht selten habe ich, der Kleidung nach, einen „Knecht/Kriegsknecht/Reisigen“ mit Nestelwams und Hose vor mir, der behauptet „Bürger“ zu sein. Mitnichten ist dem so, denn sonst würde er nicht in Kleidung herumlaufen, die großflächig Leinen-Unterwäsche sehen läßt. Nur niedere soziale Schichten werden zuweilen so abgebildet. Wir sehen Bauern auf dem Feld und Handwerker in der Werkstatt, die sich bei anstrengender Arbeit mehr oder weniger der Oberkleidung entledigen. Auf Bildern von Multscher um 1460 lugt sie gerade ein wenig unter dem Wams hervor. Auf Abbildungen der Geissler von Baegert, Frueauf oder Altdorfer gegen oder um die Jahrhundertwende wird deutlich mehr gewagt. In der Öffentlichkeit zeigen Bauern, Handwerker und gestandene Bürger großflächig keine Unterwäsche. Denn das ist ihnen nicht erlaubt. Nur am tiefen Halsausschnitt zeigt die Bürgersfrau möglicherweise ein Stück des Untergewands. Der Adel hingegen nimmt sich gegen Ende des XV. Jhs die Freiheit heraus provokant den Brustlatz oder an den Ärmeln das weisse Hemd aus kostbaren Stoffen, wie Seide, zu präsentieren, siehe Bilder von Memling oder Frueauf dem Älteren. Aber er wird ja nicht durch Kleiderordnungen reglementiert.

9/Scott, Kleidung und Mode, S. 108.

10/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.