DRAGAL

fertigt und montiert Rinken (Schnallen), Spenglin (Nieten) und Senkel (Zungen)

für den Darsteller/Reenacter im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter.

Beratung und Ausstattung für Museen, Dokumentationen, Film- und Theaterproduktionen möglich.

Beispiele nach Jahrhunderten sortiert, wählt was für Euch von Interesse:

IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh.

Es wird angestrebt die Gürtelmode vom IX. bis zum XVI. Jh. anhand von Gürtelreplikaten exemplarisch vorzustellen, vornehmlich orientiert an zeitgenössischen Kunstwerken, historischen Text- und Bildbelegen und Abbildungen originaler Fundstücke mit dem Schwerpunkt auf untere und mittlere soziale Schichten. Wohl ist mir bewußt, daß dies nicht in allen Epochen annähernd gleich möglich und der gewählte Betrachtungszeitraum sehr groß ist. Dadurch müssen sich notwendigerweise Vereinfachungen ergeben. Zur Einführung in die jeweiligen Jahrhunderte werden historische Begebenheiten und Sachverhalte kurz angerissen, damit die jeweiligen Gürteltypen in ihrem historischen Kontext gesehen werden können. Der Gürtel ist Teil der Gewandung, damit der Mode unterworfen und kann in relativ kurzen Zeiten starken Veränderungen unterliegen. „Kleidung ist eine Sprache, mit der in einer Gesellschaft kommuniziert wird.“1 Der Wandel von Formen in der Mode ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Dieser Wandel, die Häufung, überhaupt das Vorhandensein oder das Fehlen von Formen in bestimmten Regionen können unterschiedliche Strukturen von Herrschaft, Diplomatie, sozialen Hierarchien, der Religion, Kunst, Technik, Handel, Rohstoffen oder von Verkehrswegen und Warenströmen, etc. offen legen. Der heutige Betrachter eines archäologischen Fundstücks oder eines zeitgenössischen Kunstwerks nimmt ein Ergebnis dieser Determinanten wahr, hieraus können Schlussfolgerungen zu den übergeordneten Strukturen abgeleitet werden, ein Mosaikstein im grossen Puzzle der Vergangenheitsbetrachtung, wobei ich mir eine gewisse Lebendigkeit erhalten möchte, um nicht einer nüchternen wissenschaftlich sezierenden Ausdrucksweise zu folgen. Schließlich stand hinter jedem Objekt der Vergangenheit ein Mensch, in seinen Handlungs- und Ausdrucksweisen uns oft näher, als wir glauben.




Originalschnallen XIII. - Anf. XIV. Jh




Zu den verwendeten Materialien gilt anzumerken, daß sich diese Seiten technisch bedingt in der Rekonstruktion historischer Objekte auf die Metalle Eisen, Bronze, Messing, Zinn, bzw. auf verzinnte oder versilberte Gegenstände, bei Stoffgürteln auf Leinen beschränken.2 Weitere Materialien werden erwähnt, aber nicht anschaulich gemacht. Die Konzentration liegt auf dem standes- und zeitgemäßen Gürtel, der häufig belegt und nach mittelalterlicher Arbeitsweise und Material für eine grosse Zahl von Darstellungen für Mann und Frau im Reenactment angemessen sein soll.3 Damit meine ich Gürteltypen für eine breite Masse, die untere (Knecht, Magd, Scherge, Geselle, Bauer, Höriger) oder eine mittlere soziale Schicht (der Bürger als Handwerker oder einfacher Kaufmann, darunter auch selbständig agierende Frauen4), für den unfreien Ministerialen und später niederen Adel (Burgmann, bzw. Amtmann, Schultheiß, oder der auf seinen Ritterschlag verzichtende Edelknecht), aber kaum exklusive und einmalige Sonderformen für den Hochadel (Grafen, Herzöge, Bischöfe). Den „Ritter“ habe ich bewußt ausgeklammert, da er zunächst den „Reiterkrieger“ bezeichnet, der unfrei, engl. knight (Knecht) oder ein Adeliger sein kann. Diesbezüglich mag sich jeder seine Stellung wählen. Als zukünftiges Projekt werde ich mir das komplizierte Gefecht der mittelalterlichen Ständegesellschaft weiter aufschlüsseln, um detailliertere Aussagen zu dargestellten Personen liefern zu können. Grundsätzlich sollte mein Gürtelreplikat auch dem „prüfenden Auge“ eines Museumsexperten standhalten, falls ein Darsteller hier sein Betätigungsfeld sucht. Ich bevorzuge die „glaubwürdige Darstellung“ und werde weniger mit dem „A“-Begriff operieren. Denn hier verliert man sich in Haarspalterei. Und wer möchte schon aus seiner Darstellung heraus eine Doktorarbeit schreiben und sich damit auf eine wissenschaftliche Diskussion einlassen?

Nur auf spezielle Anfrage habe ich bisher für Darsteller gehobener sozialer Schichten in Silber, Vergoldung und Seide gefertigt (es sei auf die grundlegende Publikation Ilse Fingerlins verwiesen, die sich, neben archäologischen Funden, auch auf recht kostbare Objekte stützt, die obertägig erhalten blieben, hierzu bedarf es absolut keiner Ergänzung meinerseits. Sie erwähnt zumeist die Borte, weniger Ledergurte und weist damit auf die gehobene Qualität ihres Untersuchungsmaterials hin). Auch umgekehrt liegt mein Hauptbetätigungsfeld nicht bei Horn- oder Knochenarbeiten, so daß kaum Replikate in diese Richtung gezeigt werden können. Der Anteil dieses Materials in der handwerklichen Produktion des Mittelalters war hoch, wie dies archäologische Funde belegen, siehe z.B. die Funde aus Haithabu/Schleswig oder die große Anzahl von erhaltenen Messergriffen, Kämmen, Ahlen, Nadeln, etc aus diversen Stadtgrabungen. Doch nur unter sehr günstigen Erhaltungsbedingungen haben wir auch Nachweise für Schnallen aus diesem Material. Auf zeitgenössischen Abbildungen sind sie schwierig zu interpretieren, mglw. sind die Schnallen der beiden „Marionettenspieler“ im Hortus Deliciarum von 1185 aus Horn, da sie farblich genauso gestaltet sind, wie ihre weissen Gurte. Auch die grossen runden Schnallen des XV. Jhs, getragen zur Männerrobe, könnten aus Horn gewesen sein, denn sie werden auf Abbildungen farblich recht hell dargestellt. Möglicherweise ist aber auch eine Versilberung oder Verzinnung gemeint. Denn archäologisch ist eine solche Schnalle in London (Egan Nr. 387) mit einem Maß von 47x55mm in einer Zinn-Blei-Legierung nachweisbar.

Wie kann man für seinen gewählten Charakter die angemessene Form finden? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Denn es spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ort und Zeitpunkt der gewählten Darstellung und sozialer Rang sind ausschlaggebend, aber auch besondere Umstände in denen sich der mögliche Charakter befindet, wie Kriegszeiten, auf dem Marsch oder im Feldlager (was sicher die meisten Darsteller betrifft), auf dem Markt, Turnier oder Festivität, bei einem politischen Akt, einem repräsentativen Ereignis, einer Prozession, am Hof eines Fürsten und Bischofs oder gar bei dem Großereignis eines Königseinzugs oder -empfangs, im Gottesdienst, im Ratssaal oder vor Gericht, uvam. Bei all diesen Ereignissen wird, je nach Rang und sozialer Stellung, unterschiedliche Kleidung angelegt und dazu zählen passende Gürtel! Auch ein Handwerker, wohl durch Kleiderordnungen normiert, wird kaum mit seinem Arbeitskittel und der Schürze vor Gericht als geladener Zeuge erschienen sein, denn solche Stereotypen gibt es nur im Film. Ansonsten hatte auch er seinen Ruf zu wahren. Die detailliert „belebte“ Sichtweise wurde mir durch einen erfahrenen englischen Reenacter vermittelt und sehe darin tatsächlich gutes Reenactment begründet, eher in dem „Eintauchen“ in die Zeit des gewählten Charakters, als in der in Dtld weit verbreiteten „Genauigkeit = Echtheit“, die kommt von alleine, wenn sie denn beabsichtigt wird und man zielstrebig seinen Weg verfolgt, die Darstellung in ein gedankliches Umfeld gebettet hat.

Welche Quellen können herangezogen werden? Ich habe früher den Fehler gemacht und Objekte auf mittelalterlichen Bildern oder an Skulpturen so nah wie eben zulässig fotografiert. Und nur diese Detailaufnahmen wurden archiviert, um möglichst viel über Material, Beschaffenheit und Bearbeitung zum gewünschten Gegenstand auszusagen, ohne den Gesamtkontext zu beachten. Ein schwerwiegender Fehler, denn dadurch konnte ich später nicht mehr sagen, welche dargestellte Person die Tasche oder die Schnalle eigentlich trug? Inzwischen arbeite ich vollkommen anders und komme zu sehr überraschenden Ergebnissen. Beispielsweise sind Bilder des XV. Jhs, die durch ihre Detailtreue bestechen, oft ohne intensive kunsthistorische Betrachtungen kaum zu enträtseln, gilt aber auch für alle anderen Jahrhunderte. Wer trägt was in welcher sozialen Stellung? Woran kann ich den Stand ablesen? Auf den entsprechenden Seiten wird intensiver in diesen Themenkomplex eingeführt, um mir selbst klar zu werden, was z. B. von spätgotischen Tafelbildern als verwertbare Aussage zum „Durchschnittsgürtel“ herausgezogen werden kann. Ich bin der Ansicht, es sollte vermieden werden, daß der Darsteller eines Handwerkers den Gürtel „Melchiors“ trägt, wenn eine glaubhafte Darstellung angepeilt wird. Das klingt jetzt simpel und einfach. Aber wie steht es mit dem Gürtel eines Heiligen? Ist hier ein Bürger oder ein Adeliger dargestellt? Stammt das Abbild des Geißlers aus unserem europ. Umfeld oder wird eher das Heilige Land mit seiner fernen röm.-byzant. Vergangenheit historisierend umgesetzt? Denn es ist keineswegs immer so, wie vielfach angenommen wird, daß historische Vorgänge in das Gewand der Entstehungszeit eines Bildes, gepresst werden. Die Thematik ist weitaus verzwickter, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Siehe auch unten den Exkurs: Die Sprache der Kleidung5






Fragmente Originalschnallen Ende XV. - XVI. Jh




Die Datierung der Gürtelteile folgt einer „Kernzeit“. Es wird nicht unbedingt der früheste Beleg herangezogen, sondern der häufigste. Das Leben zeigt ständig Übergänge, wenn das Alte nicht verschwunden und das Neue noch nicht zur Blüte gelangt ist. So ist es durchaus denkbar, daß Schnallentypen Jahrzehnte nach meiner Nennung noch oder bereits vorher in Benutzung waren. Absolute Datierungen sind auf meinem Sachgebiet aus mehreren Gründen durchaus bedenklich.6 Zukünftig werde ich mich vermutlich eher an die kunsthistorischen Definitionen von romanischen, früh- hoch- oder spätgotischen Formen anlehnen, bezogen auf das Reichsgebiet. Unsere Quellen öffnen ein recht unzuverlässiges Zeitfenster. Archäologische Funde aus Metall stehen meist in Relation zu Funden einer tieferen oder höheren Schicht oder Beifunden wie Keramik oder Holz, die sich technisch gut bestimmen lassen. Für obertägige Kunstwerke stellt sich die Frage, ob der Maler oder Bildhauer die Gegenstände aufnahm, die er momentan vor sich hatte oder arbeitete er nach Konvention, nach Vorliebe, Vorgabe oder nach dem, was er in der Jugend als Geselle in der Werkstatt seines Meisters gelernt und gesehen hatte? Ist das Kleid wirklich eine neue modische Form oder erscheint es nur dem heutigen Betrachter neu, weil es endlich bildhaft festgehalten wird, aber bereits geraume Zeit getragen wurde? Wir können immer nur das erstmalige oder letztmalige Erscheinen einer Form beobachten, sollten uns vielleicht auf die häufigste Nennung als Mittelwert einigen? Denn der Zeitrahmen ist möglicherweise zu eng gesteckt und trifft die reale Nutzungsdauer nicht. Hinzu kann jede neue Quelle weitere Erkenntnisse bringen oder sich unsere Sichtweise auf einen Beleg radikal ändern. Manchmal folgen unsere szeneinternen Publikationen alten Forschungserkenntnissen, die bereits überholt sind, aber liebgewonnene Ansichten haben sich in unseren Köpfen festgesetzt und wir sehen nur das, was wir sehen wollen. Ich weiß, hier wird viel in Frage gestellt. Wir sollten uns klar werden, daß wir grundsätzlich nur über Annäherungswerte sprechen.

Bei meinen Datierungsangaben bedeuten die angehängten Kürzel „v“ = vor / „c“ = um / „n“ = nach

Es wird in der Reenacterszene oft mit dem „Erbstück“ argumentiert, wenn das gewählte Objekt zeitlich nicht exakt zur Darstellung paßt. Das läßt sich für sehr kostbare Gegenstände in Silber und Gold, teilweise für Kleidungsstücke, etc. in gewissem Maß mit Testamenten belegen. Für einfache Darstellungen ist das „Erben“, auch ohne hist. Belege, wohl eingeschränkt zulässig. Das gewählte Objekt sollte aber nicht das Endglied in einer Kette über mehrere Generationen darstellen. Leder hält bei ständiger Nutzung nur bedingt ein Menschenleben lang, Schnallen wurden sicher nicht beliebig oft ausgetauscht, denn irgendwann waren sie gänzlich unschicklich, auf Abbildungen finden wir definitiv keinen Schnallentyp des XIII. Jhs im XV. Jh.! Adel und Bürger trugen vornehmlich modische Gürtel zu unterschiedlichen Anläßen, die auf den Kleidungsstil abgestimmt waren, das ist Abbildungen sehr gut zu entnehmen, so daß der Besitz mehrerer Gürtel wahrscheinlich und ein Wechsel von Formen zeitlebens möglich war. Untere soziale Schichten trugen einfachere Formen wohl erheblich länger, denn deren Gewandung unterlag geringeren Veränderungen. Erst im Spätmittelalter erscheinen uns auch untere Schichten auf Abbildungen in modischer Kleidung, da sie stärker ins Bildgeschehen eingearbeitet wurden. An konservativen Heiligenabbildungen lassen sich hingegen recht altertümliche Formen belegen, beispielsweise Tasseln im XV. Jh am Gewand Mariens. Auch Hortfunde (wie aus Dune, Pritzwalk, Münster, Erfurt, Salzburg, Wiener Neustadt oder vom Fuchsenhof, uvam.) zeigen „Altmaterial“, da deren Zusammensetzung meist aufgrund des Materialwerts zustande kam. Diese angehäuften Gegenstände erschweren uns die Bestimmung der eigentlichen Nutzdauer, da meist nur ein grober Gesamtzeitrahmen und mögl. Deponierungsszeitpunkt, z.B. durch beigegebene Münzen, abgesteckt werden kann.

Absolut wirkende Aussagen sind der Kürze und Knappheit geschuldet, um nicht ständig abzuwägen, wie es vielleicht manchmal sinnvoll wäre. Hier soll ein praktischer Einblick in die Gürtelmode entstehen und keine wissenschaftliche Studie, wenn überhaupt vergleichbar, bestenfalls auf „Wikipedia“-Niveau. Denn ich bin auf Märkten oft gebeten worden meine Arbeitsergebnisse in irgendeiner Form zu präsentieren. Dem will ich hiermit endlich nachkommen in einer chronologisch sinnvollen Art und Weise. Falls einer dieser Gürtel Euch künftig zieren soll, wird auch der Wert angegeben. Inzwischen ist mein Bilderarchiv über Gürtel, Taschen, Fibeln und verschiedene Aspekte der mittelalterlichen Mode und Alltagskultur auf rund 2000 Bilder angewachsen. Bei Fragen hierzu, technischer Art oder über die Herkunft von Schnallen, Zungen, etc., einfach eine mail-Postille schicken, siehe unten.

Wichtig: In der mail-Überschrift möglichst das betreffende Jahrhundert „XII, XIII“, etc. benennen, und plant etwas Zeit ein, da ich im Sommer lange unterwegs bin als reisender Handwerker. Ich möchte mich nicht entschuldigen für meine späte Rückantwort durch Abwesenheit, denn auf den Reisen verdiene ich mein Geld. Ich bin darüber hinaus nicht ständig online, trotz aller derzeit möglichen technischen Raffinessen.




Fortgeschrittene Ringrollschnallen für Pferdegeschirr oder Rüstungsteile meist aus Eisen, zuweilen aus Buntmetall oder aus einer Kombination von beidem







HINWEIS

Die Riemenbreiten werden in mm (15er Riemen = 15 mm breit) angegeben und

Zungen in cm (Länge x Breite), zur Einschätzung der Größenverhältnisse.

Die Typenbezeichnung ergibt sich aus: Jahrhundert + fortl. Nr. + Material, Bspl.: „XIV_012_me“

[bei Anfragen bitte immer diese komplette Bezeichnung wählen + Farbe des Leders]



Zum Wert eines Gürtels

Schnalle + Riemen + (Senkel) Zunge = Gürtel fertig montiert.

Spenglin (Riemenbeschläge) werden auf Wunsch auf den Gürtel montiert.

(ca. 1/5 des Preises ist Steuer an die Obrigkeit, kommt also der Allgemeinheit zugute)

Versandkostenpauschale 5,00 EUR (Hermes oder DHL)



Unser Handwerk

Schnallen, Zungen und Riemenbeschläge werden historisch korrekt angenietet,

die Riemen gesäubert, kantenbeschnitten, geölt oder gefettet.

Das Leder ist erhältlich in den Farben: natur, dunkelbraun, schwarz oder rot.

In der Regel verwende ich Rindsvolleder, auf Anfrage auch Hirsch (natur oder sämischweiß)

- Länge beim Rind bis ca 2,20 m möglich



Bei konkretem Interesse bitte vier Fragen beantworten:

1. Ist die Darstellung zivil oder militärisch, wie ist der soziale Rang?

2. Wie lang ist die Gewandung (Taille, Oberschenkel, Knie, Wade, Knöchel)?

3. Körpergröße (!) oder gewünschte Gürtelgesamtlänge angeben.

4. Umfang des Gürtels auf Taille oder Hüfte, dazu bitte die Maßeinheit bis zum engsten Loch

(möglichst auf der Gewandung mit einem vorhandenem Gürtel messen

und keine Maßangabe in moderner Hose, Jeans oä)



Gürtel des Früh- und Hochmittelalters werden in der Regel in Taillenhöhe getragen,

Gürtel des Spätmittelalters in der Taille, zuweilen aber auch auf der Hüfte,

(die breiten Houppelande-Gürtel aus Stoff sind davon ausgenommen).









Beispiel:

XIV_012_me“

20 mm Riemen (schw/dunkelbraun/natur/rot)

hier dunkelbraun

und Senkel_me 10 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR inkl. Steuer

mit 10 Beschlägen „Nr. 7016“ montiert 95,00 EUR







...falls Fragen, schickt Eure mail-Postille an

dragal (at) web.de







Vielen Dank für Euer Interesse

Christian














Stadtsiegel von Elbing um 1400

Ich selbst habe zwei Darstellungen:

[die frühere ist ein Navigator um 1400, die zweite betrifft den Handwerker in der Mitte des XV. Jhs, der sich auf diesen Seiten austobt]

Mein Großvater war Navigator, Kaufmann und Bürger der Stadt Elbing unter der Herrschaft des Ordens am Baltischen Meere und verkehrte mit den Herren im Rat. Es kam die schicksalhafte Schlacht, die vieles veränderte. Seitdem wurde der polnische König unser Lehnsherr. Nun, Jahrzehnte später, hat unsere Familie keinen Grundbesitz mehr in der Stadt. Ich bin als Handwerker tätig, der, mit zünftischer Erlaubnis, durch die Lande ziehen muss, um sein Auskommen zu finden.“



Markttermine




IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh.

9.-12. / 13. / 14. / um 1400 / 15. / 16. Jh.

Ich habe mich bei den Datierungen am Marktstand und im Internet bewusst für die lateinischen Zahlen entschieden, damit in der Benennung des Gürtels das betreffende Jahrhundert sofort erkennbar ist. Falls Ihr keine „Asterix“-Leser gewesen seid, ist hier eine Übersetzung.

Ich konnte mich bislang noch nicht entschließen, ob ich die Texte/Verben in Vergangenheitsform, Präteritum verfassen soll oder zeitlich lebendiger im historischen Präsens. Einen möglichen unvermittelten Wechsel mag mir der geneigte Leser nachsehen...



Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen und mich bei allen herzlich bedanken, die mir am Marktstand durch anregende Gespräche oder durch mails wertvolle Tips zu Originalfunden, Material und Verarbeitung, Hinweise zu Literatur oder sehenswerten Ausstellungen gegeben haben, die ich hier für viele möglichst gewinnbringend anwenden möchte. Nach wie vor bin ich für Anregungen dankbar, mgl. andere Sichtweisen, um meine Anschauungen zu relativieren und zu prüfen. Denn wir sehen nur, was wir auch sehen wollen.

Impressum




...herrlich, so schön können meine Gürtel aussehen, wenn sie dafür genutzt werden, wofür sie auch gedacht sind, etwas mehr Grünspan an den Senkel und von einem Original nicht mehr zu unterscheiden..., so etwas kann mich begeistern!




Ich bin in erster Linie auf dem Markt und dort für viele tätig, hier nun stehe ich Euch ganz exklusiv zur Verfügung. Rechnet bitte immer ein wenig Dauer bei Anfragen ein, oft müssen speziell Bilder zurückgeschickt, Fragen geklärt oder Stücke angefertigt werden. In der laufenden Saison ist die Zeit knapp und ich bin nur in gewissen Abständen im Netz. Bitte achtet und respektiert die Arbeit und die vielen Stunden Recherche. Die Verwendung der Inhalte dieser Seiten darf nur nach Genehmigung erfolgen. Ich will hier nicht mit Paragraphen strotzen, das Korsett ist mir zu eng. Es soll mit diesen Seiten Niemandem Schaden zugefügt werden, ganz im Gegenteil, und bitte dies auch umgekehrt so zu handhaben. Ich danke für Euer Verständnis.


- aus Zeitmangel für die digitale Welt werden diese Seiten immer bruchstückhaft und wohl auch mit Fehlern behaftet sein, manchmal sind nur Anregungen und Ideen hier hineingeworfen, um später überarbeitet zu werden, manchmal war ich auch einfach nur zu müde, da ich eher abends am Rechner sitze. Falls irgendetwas unklar ist, schickt mir eine mail -

[momentan wird das XV. Jh überarbeitet, das XIV. folgt nächstes Jahr. Ich weiss, daß ich sehr langsam voranschreite. Ich habe inzwischen hunderte von Gürteln erstellt, die bildtechnisch fürs net aufbereitet werden müssten, auf diesen Seiten wird also nur ein minimaler Bruchteil abgebildet, lange Zeit habe ich es bedauerlicherweise überhaupt versäumt Bilder von den erstellten Stücken anzufertigen. Es soll hier nicht gezeigt werden, daß ich etwas angefertigt habe, sondern warum ich es in dieser Form tat. Vornehmlich gilt es also mein Archiv gründlich aufzubauen, um stichhaltige Aussagen zu liefern und die eigenen Erkenntnisse zu untermauern. Die private „Forschung“ hat für mich Vorrang und die Fülle des Materials ist schlichtweg erdrückend.]


Anmerkungen, Quellenverweise, Exkurse:

1/S. Geppert in Ars Sacra, S. 131

2/In Paris ist das Gürtlerhandwerk durch erhaltene Statuten sicher um 1250 nachweisbar. Für Köln sind Gürtlersatzungen aus dem XIV. Jh. bekannt. In Krakau wurde zwischen Messing- und Zinngürtlern unterschieden, in Paris kamen noch die Eisengürtler hinzu, die hauptsächlich schwere Gürtel für das Pferdegeschirr fertigten. Es gab Riemenschneider und Gürtler, wobei nur letztere Beschläge setzen durften, Wien 1403: „ also dass fürbas die riemer chainerlei gurteln machen sollen mit hammer noch mit nageln.“ Auch die Liegnitzer Zunftordnung von 1424 trennt die Gürtler mit der Setzung von Messingbeschlägen von den Riemern. Fingerlin, Gürtel, S. 30.

3/Was ist mit diesem zeitgemäßen Gürtel gemeint? Ich möchte das anhand einer Quelle und einer bestimmten Schnallenform verdeutlichen: Schnallen in Doppelovalform (Beispiele siehe auf meinen Seiten 2. Hälfte XV. Jh.). Wann tauchen sie auf, können sie von Darstellern des Hochmittelalters genutzt werden oder ist es eine Form des Spätmittelalters? Nach den Funden aus London [Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, S. 65-88] wird das Gros dieser unverzierten Schnallen aus Kupferlegierungen, also Messing oder Bronze, (Egan Nr. 331-341) von 20-30mm Größe, zwischen 1350 und 1450 datiert. Die kleinen unverzierten Ausführungen um die 20mm, aus Zinn-Blei-Legierungen (Egan Nr. 350-375), werden dem Schuhwerk zugerechnet und auch zwischen 1350 und 1450 datiert. Zusätzlich haben wie eine häufige Sonderform mit sehr kleinen runden Schnallen mit mittlerer Dornachse von max. 22-23mm Durchmesser, meist aus einer Zinn-Blei-Legierung, in der Regel aus dem XV. Jh, wurden in London (Egan Nr. 221-259) wohl auch als Schuhschnallen verwendet. Die grösseren, oft verzierten Formen, von 40-50mm aus Messing/Bronze oder Zinn/Blei stammen in der Regel aus dem XV. Jh. Nur ein einziger Fund von 40-50mm Größe weicht in London entschieden davon ab. Eine gestauchte Doppelovalform (Egan Nr. 346), aus Eisen verzinnt, wird auf 1230-60 datiert. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wurde sie für das Zaumzeug genutzt, denn eiserne Schnallen zwischen 40-60mm Größe stammen nach unserer Kenntnis in der Regel aus diesem Zusammenhang. Diese gestauchte hohe Doppelovalform taucht als einmaliger Fund auch auf der Isenburg, Hattingen auf, vor 1225 datiert. Vier kleinere Doppelovalformen (Egan Nr. 378-381) von ca. 20mm Größe aus verzinnten Kupferlegierungen mit Blechen werden zwischen 1270 und 1350 datiert, gehören also ins XIII. oder XIV. Jh. Eine recht ungenaue Aussage! Demnach gibt es in London nur eine präzise Abweichung vom Gros dieser datierten Schnallentypen. Für mich ist das ein stichhaltiger Grund diesen Schnallentyp für Gürtel frühestens erst zum Ende des XIV. Jhs zu verwenden, zumal ich kein Zaumzeug und kein Schuhwerk erstelle. Er wird also an meinen Gürtelreplikaten keinesfalls vor 1400 auftauchen, im Gegenteil erst erheblich später, wenn die Form an Gürteln auch auf Abbildungen häufiger nachweisbar ist und das ist sie erst im Laufe des XV. Jhs, nebenbei überwiegen da eher eckige Doppel- als runde Doppelformen.

4/Zu den Kramladeninhabern rund um die Frauenkirche in Nürnberg im Spätmittelalter wurden auch diverse Frauennamen aufgelistet.

5/Die Sprache der Kleidung [nach S. Geppert] Für alle Epochen gilt, daß die Kleidung, vor allem bei Plastiken und Gemälden biblischen Inhalts, in hohem Maße tendenziös ist. S. Geppert spricht von einem „Codesystem“. Der heutige Betrachter muß dieses System entschlüsseln und Darsteller sollten sich vor einer „Eins zu eins“-Übernahme hüten, bzw. prüfen, wer trägt was aus welchem Grund? Geppert unterscheidet bei den biblischen Szenen in den „historischen Code“, nach dem Protagonisten in antikisierende Gewänder und Umhänge gehüllt wurden, auch Ehren- und Zeremonialgewänder waren üblich, um Authentizität zeitlich nah am Geschehen, also in ferner Vergangenheit zum Betrachter, zu vermitteln. Der „geografische Code“ fügt dem noch Ortsferne hinzu, um die Herkunft des Protagonisten zu verdeutlichen. Hier sind durchaus fantastische Elemente möglich, um das Fremde zu betonen. Durch den „modischen Code“ wird eine Nähe zum Betrachter hergestellt, der sich in zeitgenössischen Bezügen, geregelt durch Kleider-, Hofordnungen oder Standes- und Berufstrachten, selbst wiederfindet. Der „metaphorische Code“ verwendet Kleidungsstücke oder deren Farben im übertragenen Sinne, so vermittelt Marias Umhang Schutz für den Gläubigen, der nahtlose Rock Christi ist Zeichen der Vollkommenheit. Es können auch mehrere Codes gleichzeitig verwendet werden, wie das zum Ende des XV. Jhs häufig geschieht [S. Geppert, Mittelalterliche Zeitmode im Heiligengewand, in: Ars Sacra, Salzburg 2010, S. 132].

6/Ich möchte die Problematik anhand von Datierungen zum Kloster Fontenay in Burgund veranschaulichen. Angenommen wir hätten ein Kapitell oder ein Skulptur aus diesem Kloster als Quelle vorliegen, welche Datierung könnte ein möglicher Autor zu dieser Quelle heranziehen? Das Gründungsdatum des Klosters Fontenay in Burgund wird mit 1118 angegeben, aber auch 1119 erwähnt, damit ist aber nur die frühe Mönchsgemeinschaft gemeint, denn erst 1130 wurde das Kloster an seine heutige Stelle verlegt. 1133 wurde mit dem Bau der Abteikirche begonnen, ein Erstdatum bezüglich des Kirchenbaus innerhalb des Klosters. In einer weiteren Schrift wird der Beginn dieses Baudatums auf 1139 gelegt. Eine andere Quelle datiert das Kloster Fontenay einfach zwischen 1118 – 47, oder Fertigstellung der Kirche 1147. 1149 wurde die Kirche geweiht, erst zwei Jahre nach Fertigstellung? Der grösste Teil der Innenausstattung und Beifügungen stammt aus späteren Zeiten, wie Madonnenstatuen und Grabplatten ab dem XIII. Jh. Allgemein heisst es, dass das romanische Gotteshaus seit der Fertigstellung nur geringfügige Änderung erfahren habe und dass die schmucklose Abteikirche heute eine der am besten erhaltenen in Burgund sei, welche das ursprüngliche Aussehen bewahrt habe. In der Französischen Revolution wurde das Kloster hingegen säkularisiert und als Papierfabrik genutzt. Erst 1906 wurden die Gebäude wieder in den möglichen ursprünglichen Zustand gebracht.



Exkurs: Westrom – Ostrom/Byzanz - Italien

Das einstige antike Rom, war für den gebildeten Menschen des Früh- und Hochmittelalters Leitstern seiner Ausrichtung, Maßstab aller Dinge. Er verstand sich nicht in einer eigenen Epoche [der Begriff „Mittelalter“ ist ihm ja vollkommen fremd], sondern glaubte sich der römischen Zeit, dem letzten Zeitalter, verpflichtet. Schließlich benutzen wir seit dem 19. Jh. begriffliche Hilfsmittel wie die „Romanik“, um diese Prozesse zu erklären. [Das dahinter mehr steckt als die bloße Nachahmung antiker Formen soll hier nicht weiter thematisiert werden. Kunsthistorische Betrachtungen werden auf diesen Seiten nur zur Erörterung von Detailfragen vorgenommen.] Erst im Spätmittelalter wird der Blickwinkel auf die gesamte Antike erweitert, indem eine Wiederbelebung derselben das Verständnis einer neuen Epoche hervorbringt, mit der Eingrenzung eines Zeitraums dazwischen, dem „medium aevum“ [Begriff 1464 in Italien verwendet, nach Scott, Kleidung und Mode, S. 117 / Francesco Petrarca (1304-1374) hat die Periode zwischen der Antike und seiner eigenen Zeit als „medium tempus“ bezeichnet].

Im Laufe meiner Recherchen bin ich für die Zeit vom V. bis zum XIII. Jh. wiederholt auf den enormen kulturellen Einfluß von Ostrom/Byzanz gestossen, der westeuropäische Mode immer wieder anregte, oft über die norditalienischen Städte, insbesondere Venedig als byzant. Handelspartner oder aus Sizilien und Süditalien zur Zeit der letzten Stauferkönige. Während Westrom das Zentrum und der ideelle Hort des katholischen Christentums war, aber beständig um seinen Machtanspruch kämpfen musste, blieb das mächtige Ostrom lange Zeit unangefochten der materielle Kulturbringer, die Quelle des Luxus, in Form von Stoffen, speziell Seide, Elfenbeinarbeiten, Gewürzen, Edelsteinen, Goldschmuck, Goldmünzen, aber auch Reliquien. Aufgrund der Kostbarkeit bereicherten im Westen nicht nur letztere die Kirchenschätze. Dieser Tansfer war keineswegs immer legal. Nach der Eroberung von Konstantinopel 1204 im Auftrag Venedigs [salopp formuliert in der Sprache des modernen Kapitalismus: "Eine Filiale läßt ihren eigenen Mutterkonzern liquidieren"] gelangten immense Reichtümer nach Italien und auch nach Frankreich, festigten dessen Vormachtstellung in speziellen Produktbereichen, beispielsweise in der Herstellung von Elfenbeinartikeln oder in der Emailletechnik. Konsumgüter östlicher Art kamen erschwinglich auf europ. Märkte und schufen neue Modeformen. Für meine Betrachtungen zur Gürtelentwicklung ist dieser Aspekt nicht unerheblich.

Byzantinische Produkte, mit vielfältigen Einflüßen aus dem ostmediterranen und syrisch-persischen Raum, befruchteten das europäische Mittelalter in mancherlei Belangen, und dies nicht erst seit den Kreuzzügen. Der Transfer beschränkte sich nicht nur auf die Sachkultur. Der Niedergang Konstantinopels seit 1204, der Verlust des Heiligen Landes, das Vordringen der Osmanen auf dem Balkan und der endgültige Fall Ostroms 1453 entfachten durch Flüchtlinge im Westen Ideen einer wiederzubelebenden Antike, die zuerst in Italien auf fruchtbaren Boden fielen und eine neue Epoche einleiten sollten. Wobei italienische Stadtrepubliken, von „Konsulen“ und Stadträten geleitet, mit den Relikten der antiken Vergangenheit „vor der Haustür“, an den Ideen der römischen Republik immer festgehalten hatten. Die „Renaissance“ war hier kein plötzlicher Umbruch, keine neue Mode- und Gesinnungserscheinung, wie bei uns nördlich der Alpen, sondern ist in Italien Ausdruck für einen Jahrhunderte währenden kontinuierlichen Prozeß.