DRAGAL

fertigt und montiert Rinken (Schnallen), Spenglin (Nieten) und Senkel (Zungen)

für den Darsteller/Reenacter im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter.

Beratung und Ausstattung für Museen, Dokumentationen, Film- und Theaterproduktionen.

Beispiele nach Jahrhunderten sortiert, wählt was für Euch von Interesse:

IX.-XII. / XIII. / XIV. / XV. / XVI. Jh.



Es wird angestrebt die Gürtelmode vom VI. bis zum XVI. Jh. anhand von Dokumenten und Gürtelreplikaten1 exemplarisch vorzustellen, orientiert an Abbildungen originaler Fundstücke und zeitgenössischen Bildbelegen. Wohl ist mir bewußt, daß der gewählte Betrachtungszeitraum sehr groß ist und sich dadurch notwendigerweise Vereinfachungen ergeben. Es scheint mir unerläßlich historische Begebenheiten und Sachverhalte kurz anzureissen, die manchen Lesern sicher geläufig sein werden, aber eine gewisse Einführung halte ich für sinnvoll, damit der jeweilige Gürteltyp in seinem historischen Kontext gesehen werden kann. Der Gürtel ist Teil der Gewandung und unterliegt in relativ kurzen Zeiten starken Veränderungen. „Kleidung ist eine Sprache, mit der in einer Gesellschaft kommuniziert wird.“2 Der Wandel von Modeformen ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern dahinter verbergen sich Strukturen von Herrschaft, Diplomatie, sozialen Hierarchien, Religion, Kunst, Technik, Handel, verarbeiteten Rohstoffen oder von Verkehrswegen und Warenströmen, etc. Der heutige Betrachter eines archäolog. Fundstücks oder einer zeitgenössischen Abbildung nimmt ein vorläufiges Endergebnis dieser Determinanten wahr. Mit dieser Quellenlage muss er notwendigerweise arbeiten, hieraus können Schlussfolgerungen zu den übergeordneten Strukturen abgeleitet werden.




Originalschnallen XIII. - Anf. XIV. Jh




Zu den verwendeten Materialien gilt anzumerken, daß sich diese Seiten technisch bedingt auf die Metalle Eisen, Bronze, Messing, Zinn und bei Stoffgürteln auf Leinen beschränken, repräsentativ wohl für ein Gutteil der mittelalterlichen Bevölkerung. Andere Materialien werden erwähnt, aber es sollen historische Objekte durch Rekonstruktionen anschaulich gemacht werden. Dabei beschränke ich mich auf den „tragbaren Standardgürtel“, den Durchschnitt, der häufig belegbar und nach mittelalterlicher Arbeitsweise und Material für die gewählte Darstellung angemessen ist. Damit meine ich den zeitgemäß typischen Gürtel für eine breite Masse und eine mittlere soziale Schicht, aber keine exklusive und einmalige Sonderform für den Hochadel. Auch soll ein Gürtelreplikat dem „prüfenden Auge“ eines Museumsexperten standhalten, falls ein Darsteller hier sein Betätigungsfeld sucht. Grundsätzlich bevorzuge ich die „glaubwürdige Darstellung“ und werde weniger mit dem „A“-Begriff operieren. Denn hier verliert man sich in Haarspalterei. Und wer möchte schon aus seiner Darstellung heraus eine Doktorarbeit schreiben und sich damit auf eine wissenschaftliche Diskussion einlassen?

Ich fertige weder für die gehobenen sozialen Schichten in Silber, Gold, Elfenbein und Seide (es sei auf die Publikation Ilse Fingerlins verwiesen, die sich vielfach auf recht kostbare Objekte stützt, die meist obertägig erhalten blieben), noch umgekehrt in Horn oder Knochen. Auch hier liegt nicht mein Betätigungsfeld, so daß keine Replikate gezeigt werden können. Der Anteil dieses Materials in der handwerklichen Produktion des Mittelalters war hoch. Doch nur unter günstigen Erhaltungsbedingungen haben wir dafür Nachweise, wie dies z.B. Grabungen in Haithabu für das Frühmittelalter belegen.

Wie kann man für seinen gewählten Charakter die angemessene Form finden? Ich habe früher den Fehler gemacht und Objekte auf mittelalterlichen Bildern oder an Skulpturen so nah wie eben zulässig fotografiert. Und nur diese Detailaufnahmen wurden archiviert, um möglichst viel über Material, Beschaffenheit und Arbeitsweise zum gewünschten Gegenstand auszusagen, ohne den Gesamtkontext zu beachten. Ein schwerwiegender Fehler, denn dadurch konnte ich später nicht mehr sagen, welche dargestellte Person die Tasche oder die Schnalle eigentlich trug? Inzwischen arbeite ich vollkommen anders und komme zu sehr überraschenden Ergebnissen, die meine Sichtweise auf das Mittelalter und unser Reenactment gründlich über den Haufen wirft! Beispielsweise sind Bilder des XV. Jhs, die durch ihre Detailtreue bestechen, oft ohne intensive kunsthistorische Betrachtungen kaum zu enträtseln. Wer trägt was in welcher sozialen Stellung? Auf den entsprechenden Seiten wird intensiver in diesen Themenkomplex eingeführt, um mir selbst klar zu werden, was z. B. von spätgotischen Tafelbildern als verwertbare Aussage zum „tragbaren Gürtel“ herausgezogen werden kann. Ich bin der Ansicht, es sollte vermieden werden, daß der Darsteller eines Handwerkers den Gürtel „Melchiors“ trägt, wenn eine glaubhafte Darstellung angepeilt wird. Das klingt jetzt simpel und einfach. Aber wie steht es mit dem Gürtel eines Heiligen? Ist hier ein Bürger oder ein Adeliger dargestellt? Stammt das Abbild des Geißlers aus unserem europ. Umfeld oder wird eher das Hl. Land mit seiner fernen röm.-byzant. Vergangenheit historisierend umgesetzt? Denn es ist keineswegs immer so, wie vielfach angenommen wird, daß historische Vorgänge in das Gewand der „Jetztzeit“, der Erstellungszeit eines Bildes, gepresst werden. Die Thematik ist weitaus verzwickter, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Siehe unten den Exkurs: Die Sprache der Kleidung3






Fragmente Originalschnallen Ende XV. - XVI. Jh




Die Datierung der Gürtelteile folgt einer „Kernzeit“. Es wird nicht unbedingt der früheste Beleg herangezogen, sondern der häufigste. Natürlich ist es hypothetisch durchaus denkbar, daß Schnallentypen Jahrzehnte nach meiner Nennung noch oder bereits vorher in Benutzung waren. Absolute Datierungen sind aus mehreren Gründen schwierig, bedenklich und oft wenig sinnvoll, leider scheinen sie aber unerlässlich, wenn der „typische Gürtel“ in einem bestimmten Zeitraum herausgearbeitet werden soll. Ich werde mich zukünftig eher auf grössere kulturelle Zusammenhänge beziehen, weiss aber noch nicht genau, wie ich das Problem lösen werde? Es wird in der Szene oft mit einem „Erbstück“ argumentiert, das läßt sich für kostbare Objekte (Silber, Gold und Seide) in Testamenten belegen. Aber diese Objekte gibt es in unserer Szene so gut wie nicht. Für einfache Darstellungen ist das Vererben wohl eingeschränkt zulässig, sollte aber nicht über mehrere Generationen erfolgen. Leder hält bei ständiger Nutzung kaum ein Menschenleben lang, Schnallen wurden sicher nicht beliebig oft ausgetauscht. Adel und Bürger tragen vornehmlich modische Gürtel, die sich mit dem Kleidungsstil ändern und gerade erstere sind hptsl. auf Abbildungen dargestellt. Nur einfaches Volk trägt eher „datierungsunempfindliche“ Stücke, da man bei dessen Kleidung über einen langen Zeitraum kaum von Mode sprechen kann, denn die Gewandung unterliegt geringen Veränderungen. Erst im Spätmittelalter erscheinen auch untere Schichten in modischer Gewandung. An konservativen Heiligenabbildungen lassen sich zuweilen recht altertümliche Formen belegen, beispielsweise Tasseln im XV. Jh am Gewand Mariens. Auch Hortfunde (wie aus Dune, Pritzwalk, Münster, Erfurt, Salzburg, Wiener Neustadt oder vom Fuchsenhof, uvam.) zeigen eine Anhäufung von „Altmaterial“, da deren Inventar meist ausschließlich aufgrund seines Materialwerts zustande kam. Die enthaltenen Gegenstände erschweren die Bestimmung der eigentlichen Nutzdauer, da meist nur ein grober Gesamtzeitrahmen, z.B. durch beigegebene Münzen, abgesteckt werden kann.

Absolut wirkende Aussagen sind der Kürze und Knappheit geschuldet, um nicht ständig abzuwägen, wie es vielleicht manchmal sinnvoll wäre. Hier soll ein praktischer Einblick in die Gürtelmode entstehen und keine wissenschaftliche Studie, wenn überhaupt vergleichbar, bestenfalls auf „Wikipedia“-Niveau. Denn ich bin auf Märkten oft gebeten worden meine Arbeitsergebnisse in irgendeiner Form zu präsentieren. Dem will ich hiermit endlich nachkommen in einer chronologisch sinnvollen Art und Weise. Falls einer dieser Gürtel Euch künftig zieren soll, wird auch der Wert angegeben. Inzwischen ist mein Bilderarchiv über Gürtel, Taschen, Fibeln und verschiedene Aspekte der mittelalterlichen Mode und Alltagskultur auf fast 2000 Bilder angewachsen. Bei Fragen hierzu, technischer Art oder über die Herkunft von Schnallen, Zungen, etc., einfach eine mail-Postille schicken, siehe unten.

Wichtig: In der mail-Überschrift möglichst das betreffende Jahrhundert „XII, XIII“, etc. benennen, und plant etwas Zeit ein, da ich im Sommer lange unterwegs bin als reisender Handwerker. Ich möchte mich nicht entschuldigen für meine späte Rückantwort durch Abwesenheit, denn damit verdiene ich mein Geld. Ich bin darüber hinaus nicht ständig online, zu dieser Generation gehöre ich nicht.




Ringrollschnallen für Pferdegeschirr oder Rüstungsteile meist aus Eisen, zuweilen aus Buntmetall







HINWEIS

Die Riemenbreiten werden in mm (15er Riemen = 15 mm breit) angegeben und

Zungen in cm (Länge x Breite), zur Einschätzung der Größenverhältnisse.

Die Typenbezeichnung ergibt sich aus: Jahrhundert + fortl. Nr. + Material, Bspl.: „XIV_012_me“

[bei Anfragen bitte immer diese komplette Bezeichnung wählen + Farbe des Leders]



Zum Wert eines Gürtels

Schnalle + Riemen + (Senkel) Zunge = Gürtel fertig montiert.

Spenglin (Riemenbeschläge) werden auf Wunsch auf den Gürtel montiert.

(ca. 1/5 des Preises ist Steuer an die Obrigkeit, kommt also der Allgemeinheit zugute)

Versandkostenpauschale 5,00 EUR (Hermes oder DHL)



Unser Handwerk

Schnallen, Zungen und Riemenbeschläge werden historisch korrekt angenietet,

die Riemen gesäubert, kantenbeschnitten, geölt oder gefettet.

Das Leder ist erhältlich in den Farben: natur, dunkelbraun, schwarz oder rot.

In der Regel verwende ich Rindsvolleder, auf Anfrage auch Hirsch (natur oder weiß)

- Länge beim Rind bis ca 2,20 m möglich



Bei konkretem Interesse bitte vier Fragen beantworten:

1. Ist die Darstellung zivil oder militärisch, wie ist der soziale Rang?

2. Wie lang ist die Gewandung (Taille, Oberschenkel, Knie, Wade, Knöchel)?

3. Körpergröße (!) oder gewünschte Gürtelgesamtlänge angeben.

4. Umfang des Gürtels auf Taille oder Hüfte, dazu bitte die Maßeinheit bis zum engsten Loch

(möglichst auf der Gewandung mit einem vorhandenem Gürtel messen

und keine Maßangabe in moderner Hose, Jeans oä)



Gürtel des Früh- und Hochmittelalters werden in der Regel in Taillenhöhe getragen,

Gürtel des Spätmittelalters in der Taille, zuweilen aber auch auf der Hüfte,

(die breiten Houppelande-Gürtel aus Stoff sind davon ausgenommen).









Beispiel:

XIV_012_me“

20 mm Riemen (schw/dunkelbraun/natur/rot)

hier dunkelbraun

und Senkel_me 10 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR inkl. Steuer

mit 10 Beschlägen „Nr. 7016“ montiert 95,00 EUR







...falls Fragen, schickt Eure mail-Postille an

dragal (at) web.de







Vielen Dank für Euer Interesse

Christian














Stadtsiegel von Elbing um 1400

Ich selbst habe zwei Darstellungen:

[die frühere ist ein Navigator um 1400, die zweite betrifft den Handwerker in der Mitte des XV. Jhs, der sich auf diesen Seiten austobt]

Mein Großvater war Navigator, Kaufmann und Bürger der Stadt Elbing unter der Herrschaft des Ordens am Baltischen Meere und verkehrte mit den Herren im Rat. Es kam die schicksalhafte Schlacht, die vieles veränderte. Seitdem wurde der polnische König unser Lehnsherr. Nun, Jahrzehnte später, hat unsere Familie keinen Grundbesitz mehr in der Stadt, wurde aus der Bürgerrolle gestrichen. Ich bin als Handwerker tätig, der, mit zünftischer Erlaubnis, durch die Lande ziehen muss, um sein Auskommen zu finden.“



Markttermine




IX.-XII. / XIII. / XIV. / XV. / XVI. Jh.

9.-12. / 13. / 14. / 15. / 16. Jh.

Ich habe mich bei den Datierungen am Marktstand und im Internet bewusst für die lateinischen Zahlen entschieden, damit in der Benennung des Gürtels das betreffende Jahrhundert sofort erkennbar ist. Falls Ihr keine „Asterix“-Leser gewesen seid, ist hier eine Übersetzung.

Ich konnte mich bislang noch nicht entschließen, ob ich die Texte/Verben in Vergangenheitsform, Präteritum verfassen soll oder zeitlich lebendiger im historischen Präsens. Einen möglichen unvermittelten Wechsel mag mir der geneigte Leser nachsehen...



Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen und mich bei allen herzlich bedanken, die mir am Marktstand durch anregende Gespräche oder durch mails wertvolle Tips zu Originalfunden, Material und Verarbeitung, Hinweise zu Literatur oder sehenswerten Ausstellungen gegeben haben, die ich hier für viele möglichst gewinnbringend anwenden konnte. Nach wie vor bin ich für Anregungen dankbar, um meine Anschauungen zu relativieren und zu prüfen.

Impressum



Hier noch kurz ein Projekt:





VI.-VIII. Jh bz

(Schnallen-Präsentation Bronze am Marktstand, auf diesen Seiten werden jene Jahrhunderte noch folgen, wie vieles andere auch...)







Ich bin in erster Linie auf dem Markt und dort für viele tätig, hier nun stehe ich Euch ganz exklusiv zur Verfügung. Rechnet bitte immer ein wenig Dauer bei Anfragen ein, oft müssen speziell Bilder zurückgeschickt, Fragen geklärt oder Stücke angefertigt werden. In der laufenden Saison ist die Zeit knapp und ich bin nur in gewissen Abständen im Netz. Bitte achtet und respektiert die Arbeit und die vielen Stunden Recherche. Die Verwendung der Inhalte dieser Seiten darf nur nach Genehmigung erfolgen. Ich will hier nicht mit Paragraphen strotzen, das Korsett ist mir zu eng. Es soll mit diesen Seiten Niemandem Schaden zugefügt werden, ganz im Gegenteil, und bitte dies auch umgekehrt so zu handhaben. Ich danke für Euer Verständnis.


- aus Zeitmangel für die digitale Welt werden diese Seiten immer bruchstückhaft und wohl auch mit Fehlern behaftet sein, manchmal sind nur Anregungen und Ideen hier hineingeworfen, um später überarbeitet zu werden, manchmal war ich auch einfach nur zu müde, da ich eher abends am Rechner sitze. Falls irgendetwas unklar ist, schickt mir eine mail -

[momentan wird das XIV. Jh überarbeitet, das XV. folgt nächstes Jahr. Ich weiss, daß ich sehr langsam voranschreite. Ich habe inzwischen hunderte von Gürteln erstellt, die bildtechnisch fürs net aufbereitet werden müssen, auf diesen Seiten wird also nur ein minimaler Bruchteil abgebildet. Aber vornehmlich gilt es mein Archiv gründlich aufzubauen, um wirklich stichhaltige Aussagen zu liefern und die eigenen Erkenntnisse zu untermauern. Die private „Forschung“ hat für mich Vorrang und die Fülle des Materials ist schlichtweg erdrückend. ]


Anmerkungen, Quellenverweise, Exkurse:

1/In Paris ist das Gürtlerhandwerk durch erhaltene Statuten sicher um 1250 nachweisbar. Für Köln sind Gürtlersatzungen aus dem XIV. Jh. bekannt. In Krakau wurde zwischen Messing- und Zinngürtlern unterschieden, in Paris kamen noch die Eisengürtler hinzu, die hauptsächlich schwere Gürtel für das Pferdegeschirr fertigten. Es gab Riemenschneider und Gürtler, wobei nur letztere Beschläge setzen durften, Wien 1403: „ also dass fürbas die riemer chainerlei gurteln machen sollen mit hammer noch mit nageln.“ Auch die Liegnitzer Zunftordnung von 1424 trennt die Gürtler mit der Setzung von Messingbeschlägen von den Riemern. Fingerlin, Gürtel, S. 30.

2/S. Geppert in Ars Sacra, S. 131

3/Exkurs: Die Sprache der Kleidung [nach S. Geppert]

Für alle Epochen gilt, daß die Kleidung, vor allem bei Plastiken und Gemälden biblischen Inhalts, in hohem Maße tendenziös ist. S. Geppert spricht von einem „Codesystem“. Der heutige Betrachter muß dieses System entschlüsseln und Darsteller sollten sich vor einer „Eins zu eins“-Übernahme hüten, bzw. prüfen, wer trägt was aus welchem Grund? Geppert unterscheidet bei den biblischen Szenen in den „historischen Code“, nach dem Protagonisten in antikisierende Gewänder und Umhänge gehüllt wurden, auch Ehren- und Zeremonialgewänder waren üblich, um Authentizität zeitlich nah am Geschehen, also in ferner Vergangenheit zum Betrachter, zu vermitteln. Der „geografische Code“ fügt dem noch Ortsferne hinzu, um die Herkunft des Protagonisten zu verdeutlichen. Hier sind durchaus fantastische Elemente möglich, um das Fremde zu betonen. Durch den „modischen Code“ wird eine Nähe zum Betrachter hergestellt, der sich in zeitgenössischen Bezügen, geregelt durch Kleider-, Hofordnungen oder Standes- und Berufstrachten, selbst wiederfindet. Der „metaphorische Code“ verwendet Kleidungsstücke oder deren Farben im übertragenen Sinne, so vermittelt Marias Umhang Schutz für den Gläubigen, der nahtlose Rock Christi ist Zeichen der Vollkommenheit. Es können auch mehrere Codes gleichzeitig verwendet werden, wie das zum Ende des XV. Jhs häufig geschieht [S. Geppert, Mittelalterliche Zeitmode im Heiligengewand, in: Ars Sacra, Salzburg 2010, S. 132].



Exkurs: Westrom – Ostrom/Byzanz - Italien

Das einstige antike Rom, war für den gebildeten Menschen des Früh- und Hochmittelalters Leitstern seiner Ausrichtung, Maßstab aller Dinge. Er verstand sich nicht in einer eigenen Epoche [der Begriff „Mittelalter“ ist ihm ja vollkommen fremd], sondern glaubte sich der römischen Zeit, dem letzten Zeitalter, verpflichtet. Schließlich benutzen wir seit dem 19. Jh. begriffliche Hilfsmittel wie die „Romanik“, um diese Prozesse zu erklären. [Das dahinter mehr steckt als die bloße Nachahmung antiker Formen soll hier nicht weiter thematisiert werden. Kunsthistorische Betrachtungen werden auf diesen Seiten nur zur Erörterung von Detailfragen vorgenommen.] Erst im Spätmittelalter wird der Blickwinkel auf die gesamte Antike erweitert, indem eine Wiederbelebung derselben das Verständnis einer neuen Epoche hervorbringt, mit der Eingrenzung eines Zeitraums dazwischen, dem „medium aevum“ [Begriff 1464 in Italien verwendet, nach Scott, Kleidung und Mode, S. 117 / Francesco Petrarca (1304-1374) hat die Periode zwischen der Antike und seiner eigenen Zeit als „medium tempus“ bezeichnet].

Im Laufe meiner Recherchen bin ich für die Zeit vom V. bis zum XIII. Jh. wiederholt auf den enormen kulturellen Einfluß von Ostrom/Byzanz gestossen, der westeuropäische Mode immer wieder anregte, oft über die norditalienischen Städte, insbesondere Venedig als byzant. Handelspartner. Während Westrom das Zentrum und der ideelle Hort des katholischen Christentums war, aber beständig um seinen Machtanspruch kämpfen musste, blieb das mächtige Ostrom lange Zeit unangefochten der materielle Kulturbringer, die Quelle des Luxus, in Form von Stoffen, speziell Seide, Elfenbeinarbeiten, Gewürzen, Edelsteinen, Goldschmuck, Goldmünzen, aber auch Reliquien. Aufgrund der Kostbarkeit bereicherten im Westen nicht nur letztere die Kirchenschätze. Dieser Tansfer war keineswegs immer legal. Nach der Eroberung von Konstantinopel 1204 im Auftrag Venedigs [salopp formuliert in der Sprache des modernen Kapitalismus: "Ein Filialbetrieb liquidiert seinen eigenen Mutterkonzern"] gelangten immense Reichtümer nach Italien und auch nach Frankreich, festigten dessen Vormachtstellung in speziellen Produktbereichen, beispielsweise in der Herstellung von Elfenbeinartikeln. Konsumgüter östlicher Art kamen erschwinglich auf europ. Märkte und schufen neue Modeformen. Für meine Betrachtungen zur Gürtelentwicklung ist dieser Aspekt nicht unerheblich.

Byzantinische Produkte, mit vielfältigen Einflüßen aus dem ostmediterranen und syrisch-persischen Raum, befruchteten das europäische Mittelalter in mancherlei Belangen, und dies nicht erst seit den Kreuzzügen. Der Transfer beschränkte sich nicht nur auf die Sachkultur. Der Niedergang Konstantinopels seit 1204, der Verlust des Heiligen Landes, das Vordringen der Osmanen auf dem Balkan und der endgültige Fall Ostroms 1453 entfachten durch Flüchtlinge im Westen Ideen einer wiederzubelebenden Antike, die zuerst in Italien auf fruchtbaren Boden fielen und eine neue Epoche einleiten sollten. Wobei italienische Stadtrepubliken, von „Konsulen“ und Stadträten geleitet, mit den Relikten der antiken Vergangenheit „vor der Haustür“, an den Ideen der römischen Republik immer festgehalten hatten. Die „Renaissance“ war hier kein plötzlicher Umbruch, keine neue Mode- und Gesinnungserscheinung, wie bei uns nördlich der Alpen, sondern ist in Italien Ausdruck für einen Jahrhunderte währenden kontinuierlichen Prozeß.